Themenräume

In acht Themenräumen diskutierten wir über die gesellschaftliche Dimension von Architektur und Planung, verdeutlichten die Verantwortung und Handlungsbereitschaft des Berufsstands und formulierten Erwartungen an die Politik. Die Erkenntnisse zu diesen Themenräumen, die wir an diesem intensiven und inhaltsreichen Tag gemeinsam mit Ihnen diskutieren konnten, sind für unsere berufspolitische Arbeit sehr wichtig. Wir möchten den Austausch mit Ihnen fortführen und erfahren, welche Themen und Aspekte Ihnen besonders am Herzen liegen.

Auf dieser Seite finden Sie Informationen, Berichte und Zusammenfassungen zu jedem einzelnen Themenraum.


1. BERUFSPOLITIK – Positionieren: Architektur und Städtebau in der Demokratie

Panel 1.1: Urbanität und Demokratie – Wie lassen sich Vorgaben ändern?

Auf dem Panel:
Roland Gruber, nonconform, Reiner Nagel, Bundesstiftung Baukultur, Prof. Dr. Tatjana Schneider, Technische Universität Braunschweig, Ruth Schagemann, Architektenkammer Baden-Württemberg, Architects’ Council of Europe (ACEACE Architects’ Council of Europe Conseil des Architectes d’Europe)

Moderation:
Dr. Tillman Prinz, Bundesgeschäftsführer BAKBAK Bundesarchitektenkammer

Essenz:

  • Ohne Diskurs, ohne Dialog und Beteiligung hat Architektur keine Relevanz.
  • Bürgerbeteiligung ist für Legitimität und Transparenz in der Planung wesentlich.
  • Bürgerbeteiligung muss Spaß machen, eine gute Atmosphäre bieten, lebendig sein.
  • Locker bleiben, ergebnisorientiert arbeiten mit Blick auf die Zukunft und auf die Kinder.

 

Bericht:
Das Panel war sich einig, dass die Änderung von Vorgaben für den Berufsstand über Haltung einnehmen und Einflussnehmen geschieht.

Urbanität und gute Baukultur erfordern Transparenz und Legitimität. Dies ist demokratisch und entspricht dem Grundsatz der Gewaltenteilung und einer guten Verwaltung. Hierzu gehört auch eine rechtzeitige Bürgerbeteiligung, die sehr breit angelegt sein sollte. Wenn man nur unmittelbar Betroffene oder direkte Anwohnende fragt, gibt es keine Entscheidung zugunsten von Vorhaben, da niemand ein neues Vorhaben im Hinterhof möchte (not in my backyard). Dabei ist eine auf Fakten beruhende und versachlichte Debatte wichtig.

Bürgerbeteiligung erfordert viel Zeit und gute Vorbereitung, sie macht also viel Arbeit. Auch die Atmosphäre bei den Debatten ist nicht zu unterschätzen: Die Diskussion darf nicht zu langatmig sein, sondern muss Laune machen. Man braucht Werkstattatmosphäre.

Letztlich sind eine gute Moderation und die ergebnisorientierte Arbeit des Berufsstands wichtig, nicht nur das reine Planen von Bauwerken. Dies sollte auch in die Ausbildung der Architektinnen und Architekten einbezogen werden.

Ohne Diskurs ist Architektur nicht relevant. Nicht verzweifeln!

Panel 1.2: Leitbild Europäische Stadt – Was bewirken Davoser Erklärung und Leipzig Charta 2.0?

Auf dem Panel:

Barbara Gessler, Europäische Kommission, Sandra Krinner, Sandra Krinner Architektur, Ministerialrätin Gabriele Kautz, Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Robert Ivy, American Institute of Architects (AIA), Georg Pendl, Präsident Architects’ Council of Europe (ACE)

 

Moderation:
Dr. Tillman Prinz, Bundesgeschäftsführer BAK

Essenz:

  • Das kulturelle Erbe Europas muss weiterentwickelt werden.
  • Die Leipzig Charta 2.0 und die Erklärung von Davos zur Baukultur sind Werkzeugkästen.
  • Wir haben die Verpflichtung, den Bestand der historischen Stadt weiterzuentwickeln.
  • Wir lernen voneinander.

Bericht:
Die Panellistinnen und Panellisten diskutierten zunächst über ihr Verständnis der europäischen Stadt: Von welcher Stadt sprechen wir, welche Kriterien machen sie aus? Es bestand Einigkeit, dass das Konzept der europäischen Stadt auf einer Durchmischung von Funktionen beruht. Als weiteres Kriterium wurde die Offenheit dem Fremden gegenüber herausgestellt. Die europäische Stadt ist eine Stadt für alle. Sie vereint eine Vielfalt von sozialen, kulturellen und ethnischen Gruppen. Diese Werte und Funktionen gilt es, aufrechtzuerhalten.

Daran anknüpfend wurde über die europäische Identität gesprochen. Die Panellistinnen und Panellisten hoben hervor, dass Kultur ein wichtiges Element der europäischen Identität ist. Das kulturelle Erbe Europas muss daher erhalten und weiterentwickelt werden. Baukultur steht für die Qualität der gebauten Umwelt und für die Stadt als gewachsene Struktur und Ort der Begegnung. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der nachhaltigen Stadtentwicklung. Der historische Bestand einer Stadt muss so weiterentwickelt werden, dass er den heutigen Vorstellungen des städtischen Zusammenlebens entspricht. Bei Baukultur geht es auch um das Bauen des Alltags und eine Architektur, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht.

Es wurde erörtert, wie das Konzept der europäischen Stadt in der Neuauflage der Leipzig Charta 2020 und der Davos-Erklärung für eine hohe Baukultur von 2018 weiterentwickelt wird, und wie diese Texte in der Praxis konkrete Anwendung finden. Die Panellistinnen und Panellisten betonten die Bedeutung beider Texte als Basis, auf welche sich Entscheidungsträgende auf kommunaler Ebene berufen können. Die Leipzig-Charta und die Davos-Erklärung können als Werkzeugkästen mit Argumenten für eine nachhaltige Stadtentwicklung und hohe Baukultur angesehen werden. Bei der Neuauflage der Leipzig-Charta werden aktuelle Herausforderungen wie der Umgang mit Migration, Mobilität, Klimawandel und Digitalisierung aufgenommen. Der Austausch unter den europäischen Mitgliedsstaaten über die Prinzipien und Ziele für eine nachhaltige Stadtentwicklung ist wichtig. So wird eine gemeinsame Basis geschaffen.

Aus dem Publikum wurde die Bedeutung des öffentlichen Raums als Ort der Begegnung thematisiert. Die Öffentlichkeit muss besser über Texte wie die Leipzig-Charta und die Davos-Erklärung informiert werden. Wir können in Europa voneinander lernen.

Panel 1.3: Entwicklung und Partnerschaft – Wie sieht internationale Hilfe aus?

Auf dem Panel:
Anna Heringer, Studio Anna Heringer, Michael Grausam, humantektur, Lars Krückeberg, GRAFT, András Szekér, Habitat for Humanity Deutschland

Moderation:
Dr. Tillman Prinz, Bundesgeschäftsführer BAK

Bericht:
Moderation: Wir diskutieren heute Nachmittag ein ziemlich spezielles Thema, das ganz unterschiedliche Aspekte aufweist – von der Bautechnik über soziale Frage bis hin zu historisch-interkulturellen Fragestellungen. Zu Beginn eine Frage an das Auditorium: Warum sind Sie hier?

Antworten:

  • Ich könnte mir vorstellen, international in Hilfsprojekten zu arbeiten.
  • Nichts ist so konfliktbeladen wie internationale Hilfe. Ich will gerne wissen, wie die Erfahrungen sind.
  • Wie können wir unsere Kenntnisse anderen zur Verfügung stellen?
  • Ich hatte das Thema im Studium und war selbst mit den Grünhelmen in Afrika aktiv. Das ist für mich wie ein Realitätscheck. Wie erleben das Architektinnen und Architekten heute? Wie kann architektonische Entwicklungshilfe nachhaltig sein?
  • Ich bin Teil einer Studenten-Diskussionsgruppe zu dem Thema. Wir fragen uns, wie der „weiße Mann“ erfolgreich und ohne falsche Attitude vor Ort auftreten und helfen kann.

Anna Heringer:
Ich war ein Jahr in Bangladesch nach dem Studium. Das Wichtigste ist, sich auf lokale Ressourcen und Potenziale zu konzentrieren. Sieben Jahre später haben wir eine Schule dort gebaut und dabei doch den Fehler gemacht, ein quasi fertiges Projekt vorzuschlagen und die Lokalen lediglich als Arbeitskräfte einzubinden. Aber: Die Schule ist ein Prestigeobjekt, du willst, dass sie auch toll ausschaut. Wir haben dann aber doch die Schülerinnen und Schüler in den Prozess integriert, und das Vorhaben wurde ein Erfolg: Lehm- und Bambusbau, Ziegelbau. Wir haben vier Projekte realisiert. Die Erfahrungen springen hin und her. Partnerschaften entwickeln sich langfristig.

Michael Grausam:
Die richtige Perspektive muss sein: Der Partner macht, und wir werden eingebunden als Fachleute, Helfer, Partner. Nicht umgekehrt, wie es früher war. Wir beraten, aber der Planer und der Bauherr vor Ort entscheiden und setzen auch um. Wir arbeiten mit Beispielen, die wir zeigen; Fachinformationen; Erfahrungen, die wir bereitstellen können. Wir arbeiten viel für Kirchen, die schon lange (Missions-)Geschichten haben. Wir suchen nicht selbst nach Projekten oder Partnern im Ausland. GIZ und NGOs haben oft Baubüros, da kann man anfragen, wenn man sich engagieren möchte. Mit dem „Von außen helfen“ bin ich vorsichtig. Die „Gutmensch“-Haltung ist oft schwierig. Man sollte immer die eigene Perspektive kritisch hinterfragen. Es ist ja so, dass die Partner vor Ort eine Menge Wissen haben.

András Szekér:
Die meisten Menschen auf der Welt bauen für sich selbst. NGOs bauen nur einige wenige Tausend Objekte im Jahr. Soviel zur Perspektive. Eine Hütte in Malawi kostet umgerechnet 25 Cent. Die zentrale Frage lautet: Wie befähigen wir die Menschen dazu, ihren Selbstbau besser zu machen? Nachhaltiger, wetterresistenter, haltbarer. Wasser, Schule, Arbeit in der Nähe: Das sind wichtige Kriterien für erfolgreiche Hilfsprojekte. Außenseiter werden die Probleme im Allgemeinen nicht lösen. Ein Weißer, der in Malawi auftaucht, erregt eher Misstrauen. Es gibt in Malawi auch eine Elite. Ich strebe in meiner Arbeit an, Prozesse der Teilhabe und der Ermöglichung zu generieren: Prozesse, die von außen gesteuert werden, erfolgreich durchzuführen und auch nachhaltig in Betrieb zu halten. Ich habe einmal sieben Brunnen gesehen, die durch Hilfsprojekte ermöglicht worden waren und allesamt aufgegeben wurden. „Befähigung“ ist vielleicht das bessere Wort als „Entwicklungshilfe“.

Lars Krückeberg:
Ich möchte unsere Arbeit eigentlich nicht als „Entwicklungshilfe“ bezeichnen. Wir haben ganz unterschiedliche Dinge gemacht: Nach dem Hurrikan „Katrina“ in New Orleans haben wir 100 Häuser gebaut, ein catastrophy relief project. Wir wollten dort Häuser bauen, die als Vorbild dienen können. Wir haben auch ein Buch dazu gemacht, um die Idee zu verbreiten. Aber: Man muss in der Tat am Anfang mit allen Beteiligten klare Ziele definieren; das ist dann das Mandat, mit dem wir unsere Architektur in ein fremdes Land bringen können. Design und Schönheit ist kein Privileg der ersten Welt. Es gibt ja auch Fachwissen und Anspruch vor Ort – Beispiel: „Solarkiosk“ für Afrika, Äthiopien. Die Idee gab es schon länger, aber keiner hat es gemacht. Wir haben das mit der GIZ besprochen und das Projekt gemacht. Simple, resiliente Architektur, die nicht kaputtgehen darf – und offgrid, also nicht mit der Straße planen, die es nämlich oftmals nicht gibt (d.h.: keine Container). Später gab es eine Kooperation mit der Coca-Cola-Company, von der wir uns aber getrennt haben, als der Konzern alle Kioske branden wollte – wir waren ja stolz auf das Projekt, das haben wir uns nicht wegnehmen lassen.

Wir bringen das Konzept nach Afrika und leiten unsere Partner vor Ort an, sodass sie die Kioske erfolgreich betreiben und damit Geld verdienen können: Cola kühlen, Handys aufladen, Haare schneiden. Das ist eine enorme Chance für die Leute, denn Strom ist dort ungleich teurer als hier. Architektur gestaltet hier einen business-case, und daraus erwachsen wiederum soziale Strukturen. Deshalb verstehe ich unsere Aufgabe dort nicht nur als Gestalter, sondern als Lebenshelfer. Wenn man Energie dorthin bringt, ist man immer ein willkommener Partner. Man muss das natürlich mit der Community machen; mit dem Priester, der Polizei, der örtlichen Politik. Wir haben auch viele Fehler gemacht und mussten Lehrgeld zahlen. Aber das ist o.k.

Frage: Kann Entwicklungshilfe bzw. Hilfe zur Selbsthilfe für Architekturbüros ein Geschäftsmodell sein?
Anna Heringer: Ich empfehle meinen Studentinnen und Studenten immer: ein Drittel Herzenssache, ein Drittel Brotjob, ein Drittel das Leben vereinfachen. Dann funktioniert so etwas. Auch ethisch saubere Arbeit soll vernünftig bezahlt werden (nicht nur ethisch unsaubere – Heiterkeit); das müssen wir uns klarmachen, und das muss man den Partnern klarmachen.

Michael Grausam: Wenn man umsonst arbeitet, wird die Arbeit nicht wertgeschätzt. Das habe ich bei unserem ersten Projekt in Indien gemerkt. Die Arbeit wird vor Ort nicht gewürdigt, wenn sie einfach umsonst dorthin gestellt wird, weil man vor Ort sagt: Naja, ihr verdient damit etwas, uns kostet es nichts. Wir verdienen mit den Projekten heute schon Geld. Nicht üppig, aber man kann davon leben.

Anna Heringer: Ein Projekt in Simbabwe und eines in Bangladesch führte später zu einem Auftrag in Deutschland.

Michael Grausam: Wir arbeiten hier in Deutschland für Baugruppen, also auch engagierte Menschen. Die internationale Hilfsarbeit mag hier ein Argument sein, ist aber nicht ausschlaggebend.

Lars Krückeberg: Was man bei solchen Projekten zurückbekommt, ist Dank, Wärme, Anerkennung. Wir verdienen nichts mit solchen Projekten, versuchen aber, nicht allzu viel Geld zu verlieren. Wir verstehen uns aber als hybrides Büro, das beides macht. Ich will mich nicht entscheiden: Du bist zu reich, für dich baue ich nicht oder du bist zu arm, für dich baue ich nicht. Es ist komisch, dass man fast als suspekt gilt, wenn man beides macht… Wenn ich ein Vorbild benennen müsste, könnte es Oskar Niemeyer sein. Der hat auch immer spektakuläre Großprojekte für Staaten und Unternehmen gebaut, aber auch Schulen für die Favelas.

András Szeker: Wir haben Menschen in 70 Ländern im Habitat-Netzwerk und sind Vermittler. Was vor Ort geleistet wird, machen die Menschen dort. Wir stehen als Ansprechpartner für alle, die etwas in diesem Bereich tun wollen, gerne zur Verfügung.

Anna Heringer: Man bekommt auch viel zurück, das ist mir wichtig.

Frage nach der Hilfe im Nahen Osten, insbes. Syrien:
András Szekér: Dort haben wir keine Niederlassung. Wichtig ist, dass man Expertinnen und Experten vor Ort hat, die sich mit Sicherheitsfragen auskennen. Man darf sich und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht in Gefahr bringen.

Frage: Wie lange begleitet Ihr ein Projekt?
András Szekér: Jedes Projekt hat eine definierte Laufzeit, und danach ziehen wir unsere Leute ab. Schon bei der Planung des Projektes wird mit den Betroffenen eine Exit-Strategie vereinbart – denn wir wollen ja „befähigen“.


2. BAUKULTUR – Prägen: Identität und Haltung: Wer wollen wir gewesen sein?

Panel 2.1: Ein Blick zurück – Was wird uns die Vergangenheit bringen?

Auf dem Panel:
Ayhan Ayrilmaz, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg,
Berhard Mensen, Mensen + Zora Architekten

Moderation:
Julian Latzko, Bundesstiftung Baukultur

Essenz:

  • Ohne Erinnerung gibt es keine Kultur.
  • Baukulturelle Bildung ist ein zentraler Hebel zum Erhalt der Denkmäler und ihrer Pflege.
  • Bau- und Denkmalkultur darf sich nicht Rentabilitätsaspekten unterwerfen.
  • Denkmalschutz und -pflege sind Klimaschutz. Graue Energie muss erhalten und weiterentwickelt werden.

Bericht:
Bernhard Mensen ist Architekt in Bochum und übernimmt viele Projekte im Denkmalschutz. Baudenkmäler sind für ihn vergleichbar mit der DNA von Baukultur. Ayhan Ayrilmaz sieht beim Denkmalschutz zwei neue Komponenten hinzukommend, die bisher nicht so relevant waren: Ertüchtigung im Hinblick auf den Klimawandel und die Umnutzung mit einer erhöhten Nutzungsanforderung (demografischer Wandel, Barrierefreiheit). Eine weitere Herausforderung ist das Fehlen von Fachkräften. Früher gab es zu wenig Geld, heute gibt es genug Geld, aber zu wenig Fachkräfte. Das liegt auch daran, dass der Spezialisierungsgrad der Ausbildung vorangeschritten ist. Für viele angehende Architektinnen und Architekten scheint Denkmalschutz als Berufsfeld nicht sehr attraktiv zu sein. Daher sollte die Attraktivität des Berufsfeldes aktiv kommuniziert werden, um angehende Architektinnen und Architekten von einem Engagement im Denkmalschutz zu überzeugen.

Mögliche Schwierigkeiten durch Vorgaben (DINDIN Deutsches Institut für Normung-Normen) bei der Arbeit im Zusammenhang mit Denkmalschutz sind überbewertet. Ayhan Ayrilmaz kann diese Sichtweise aus der eigenen Praxis nicht bestätigen.

Frage: Drei Prozent der Gebäude in Deutschland stehen unter Denkmalschutz. Sollte der Anteil höher sein?

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat gerade die „Abrissfreiheit“ per Gesetz ausgeweitet. Es gibt einen Hang zum exemplarischen Denkmalschutz. Dabei werden in Umfragen Zustimmungswerte von bis zu 80 Prozent für die historische Rekonstruktion von Gebäuden erreicht. Gleichzeitig ist das Image des Denkmalschutzes nicht durchweg positiv. Denkmalwerte kann man nur rückblickend erkennen. Ohne Erinnerung gibt es keine Kultur.

Panel 2.2: Architektonische Identität – In welchem Stile wollen wir bauen?

Auf dem Panel:
Prof. Anne Beer, Beer Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner, Jürgen Mayer H., J. MAYER H. und Partner, Prof. Gesine Weinmiller, Weinmiller Großmann Architekten, Max Otto Zitzelsberger, Architekt

Moderation:
Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender Bundesstiftung Baukultur

Essenz:

  • Unsere pluralistische Gesellschaft braucht qualifizierte Sprachen der Architektur, aber keinen epochalen Stil.
  • An Stelle der Stilfrage tritt eine Qualitätsdebatte auch im Sinne der Nachhaltigkeit.
  • Gegenwartsarchitektur wird geprägt durch Bauweisen, Materialien (mehr Holz) und mehr Bestandsbauten.
  • Gestaltungsreferenzen entstehen heute sowohl in der Stadt als auch auf dem Land (das ist neu).

Bericht:
Die Ausgangsfrage „In welchem Stile wollen wir bauen?“ wurde vom Podium im Vergleich mit anderen Themen als weniger relevant erachtet. Es wurde festgestellt, dass die pluralistische Gesellschaft, in welcher wir leben, zwar eine qualifizierte Sprache der Architektur, aber keinen epochalen Stil benötigt. Daher trat an die Stelle der Stilfrage eine Qualitätsdebatte, auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Anne Beer sagte: „Bei der Entwicklung von Konzepten für Gebäude treiben uns eher der gemeinsame Prozess und die Materialfrage an als der Stil. Wichtig für ein gutes Ergebnis ist meiner Meinung nach weiterhin eine enge Zusammenarbeit mit den Auftraggebern und eine differenzierte Diskussion über die Vorstellungen, Ansprüche und Wünsche.“

Jürgen Mayer H. hingegen betonte, dass seine Herangehensweise an Architektur von der Kunst herrühre. Doch die architektonische Verführungskraft entstünde im Individuellen Prozess. Jede Architektin und jeder Architekt trage ohnehin seine eigene Handschrift. Allerdings stehe dieser Anspruch natürlich auch in Abhängigkeit zur Funktionalität und Finanzierbarkeit. Einen starken Kontrapunkt formulierte Max Otto Zitzelsberger: „Architektur spielt meiner Meinung nach im Gesellschaftskontext keine Rolle mehr. Denn es interessiert einfach niemanden, was gebaut wird. Architektonisch bleibt nichts, da die breite Masse mehr an Technik interessiert ist. Daher ist die Frage nach dem Stil schon egal.“ Auch Gesine Weinmiller sieht die aktuelle Problematik nicht in einer Stildebatte, sondern viel mehr in den heutzutage verwendeten, günstigen und ökologisch fragwürdigen Baustoffen.

Von diesen Standpunkten ausgehend, ist die Gegenwartsarchitektur hauptsächlich durch Bauweisen, Materialien und mehr Bestandsbauten geprägt. Wegweisende Gestaltungsreferenzen hierfür entstehen heutzutage sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Für alle am Podium beteiligten Planenden und Baukulturschaffenden standen eine ressourceneffiziente und nachhaltige Bauweise im Vordergrund.

Panel 2.3: Zwischen Haltung und Zwängen – Wie bleiben Planer unabhängig?

Auf dem Panel:
Prof. Markus Bader, raumlabor, Nanni Grau, Hütten & Paläste, Mechthild Heil, MdB, Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommune im Bundestag, Jan Musikowski, Richter Musikowski Architekten

Moderation:
Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender Bundesstiftung Baukultur

Essenz:

  • Architektur kann nie unabhängig sein, sondern ist immer eingebettet in gesamtgesellschaftliche Rahmenbedingungen.
  • An die Stelle von Unabhängigkeit tritt Selbständigkeit im Denken und Handeln.
  • Experimente und innovative Ansätze müssen durch die Politik stärker gefördert werden.
  • Architektinnen und Architekten sind auch Dienstleister – allerdings in erster Linie gegenüber der Gesellschaft. 


Bericht:
Mechthild Heil: Sie ist selbständige Architektin und Bundestagsabgeordnete – wie unabhängig ist man dabei? Sie lebt so mit dem Vorwurf der Bestechlichkeit. Im Bundestag liegt der Fokus eher bei den Juristinnen und Juristen, nicht bei den Architektinnen und Architekten, diese werden vielmehr als Teil des Problems gesehen, nicht als Teil der Lösung. Architektur werde nicht automatisch mitgedacht. Aktuelles Thema derzeit: Bauen, bauen, bauen. Ein eigenes Bauministerium gibt es wieder nicht, das Thema ist bei Verkehr und Inneres angesiedelt. Daher die Empfehlung: Architektinnen und Architekten sollten sich auch politisch einsetzen – „einmischen“!

Nanni Grau: Beim Bauen mit einer Genossenschaft gibt es viele Variablen. Man muss Festlegungen beim Planen und Bauen treffen und darüber Unabhängigkeit entwickeln. Experimente sind wichtig.

Prof. Markus Bader: Impulse setzen durch Experimente. Räume schaffen! Architektur kann nie unabhängig sein, ist immer tief eingebettet in gesamtgesellschaftliche Rahmenbedingungen. Architektur ist gemeinsam zu entwickeln – urbane Praxis und Raumplanung als Teil der Gesellschaft. Architektur ist kein Heilsbringer. Planer sollten ihre Handlungsmacht einsetzen. Selbständiges Denken und Handeln ist wichtig – wie begreift man seine Rolle? Architektur ist kein „Produkt“ – und deshalb ist eine reine Dienstleisterhaltung nicht angebracht.

Jan Musikowski: Mit einem Projekt wird eine Aufgabe gestellt. Die Architektin ider der Architekt entwickelt ihr/sein Potenzial und muss die Idee dem Bauherren schmackhaft machen: „Ein großer Kampf, bei dem man wach sein muss“. Dabei muss man immer partnerschaftlich agieren, immer den Dialog suchen („Dialogkultur“).

Kann Politik Experimente und neue Lösungen fördern? Ja, z.B. durch externe Gestaltungsbeiräte, oder indem man intelligente Fragen stellt – das wird in der Runde begrüßt. Markus Bader empfiehlt, sich auf den Weg ins Unbekannt zu machen, man sollte auch scheitern können (raumlabor). Was kann man mit Fördermitteln erreichen?
Hier wurde der Wunsch an die Politik formuliert, Rückendeckung für Experimente zu bekommen, kreative Ideen und riskante Umsetzungen anzugehen: Experimentierklauseln oder Bestandsklauseln einführen versus den Dschungel von Vorschriften. Aus dem Publikum ergänzt Christine Edmaier: Die Situation in Berlin mit der Wohnungsnot und dem GebäudeenergiegesetzGEG Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung Erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden erfordere, erst gute Prototypen zu entwickeln mit Modellcharakter. Sie begrüßt eine Experimentierklausel – neues probieren sollte möglich sein. Jan Musikowski betont, der Nährboden für Experimente sollte politisch organisiert werden, dies sollte kontinuierlich betrieben werden.

Die Runde hinterfragt die IBA mit ihrem experimentellen Charakter, dazu werden Erfahrungen ausgetauscht. Ein wichtiges Thema sei das Verhältnis zwischen Auftraggeber und Planer. Was erwarten Bauherren vom Planer? Jan Musikowski beschreibt den „Kampf“ mit dem Bauherren über Material und Qualität. Die Architektinnen und Architekten und Planenden sollten hier auch Grenzen aufzeigen und „Haltung“ zeigen – notfalls den Auftrag lieber nicht annehmen. Mechthild Heil bestätigt, die Architektinnen und Architekten sollten sich auch mal durchsetzen und Überzeugungskraft haben, wo möglich aber auch Zugeständnisse machen.

Das Budget zum Bauen ist vorgegeben. Darum muss man erst einmal kämpfen. Empfohlen wird, sich mit dem Bauherren schon frühzeitig über übergeordnete Ziele und Werte zu verständigen und dies auszuhandeln und festzuschreiben („Haltung“). Aus dem Publikum werden noch die Themen Durchlässigkeit und Nachwuchsförderung sowie Innovation angesprochen. Architektinnen und Architekten und Planende sind Angehörige der freien Berufe und Dienstleister – aber in erster Linie gegenüber der Gesellschaft und nicht gegenüber dem Bauherren, sie seien dem Gemeinwohl verpflichtet. Angemerkt wird, dass Architektinnen und Architekten schlecht bezahlt seien für die hohe Verantwortung, die sie tragen. Jan Musikowski bestätigt dies, Auftraggeber hätten oft kein Bewusstsein für Stundenlöhne im Vergleich z.B. zum Handwerk. 


3. KOMMUNIKATION – Vermitteln: Kommunikation, Interaktion und Bildung

Panel 3.1: Gesellschaftliche Relevanz – Was bringt uns die Kritik?

Auf dem Panel:
Prof. Arno Lederer, LRO Lederer Ragnarsdottir Oei, Claudia Meixner, Meixner Schlüter Wendt Architekten, Amber Sayah, Freie Journalistin, Laura Weißmüller, Süddeutsche Zeitung

Moderation:
Nils Ballhausen, Architekturpublizist

Essenz:

  • Gute Architekturkritik entsteht auf ähnliche Weise wie gute Architektur.
  • Architektur spiegelt fast alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wieder.
  • Architekturkritik hat die Aufgabe, diese Aspekte sichtbar zu machen und sie für ein Laienpublikum nachvollziehbar zu machen.
  • In überregionalen Feuilletons ist man gut aufgestellt mit Architekturkritik, aber in der lokalen Presse, vor allem abseits der Ballungsräume, ist fundierte Kritik eher schwach vertreten.
  • Architektinnen und Architekten sollten insbesondere in ihrer Region die Lokalpresse mit ihrem Know-how unterstützen, um Architekturqualität zu definieren.
  • Die Kammern sollten zusammen mit Architekturkritikerinnen und -kritikern und Architektinnen und Architekten neue mediale Formate entwickeln, mit denen man ein Laienpublikum erreicht (z.B. Filme, Podcasts).
  • Das öffentliche Gespräch, Beispiel Architekturquartett, sollte als Gegengewicht zum digitalen Diskurs gestärkt werden.

Bericht:
Die Diskussionsteilnehmenden erläutern, warum Architekturkritik wichtig ist und was gute Architekturkritik ausmacht. Architektur sagt viel darüber aus, wie eine Gesellschaft oder ein Ort funktioniert. Sie erklärt den Zustand einer Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund reflektiert Architekturkritik die gesellschaftliche Bedeutung von Architektur. Diejenigen, die öffentlich kritisieren, sollten daher Interesse für die Auseinandersetzung mit Architektur wecken. Auch für die Architektinnen und Architekten ist Kritik wichtig, da Erkenntnisgewinn bei der Arbeit zu Erfolgen und positiven Schritten führt.

Die Auseinandersetzung mit Architektur gewinnt an Relevanz, weil aktuell diskutierte Themen wie Klimawandel oder bezahlbarer Wohnraum damit verknüpft sind. Allerdings sollte mehr über durchschnittliche Bauprojekte, auch auf lokaler Ebene, berichtet werden. Durchschnittliche Vorhaben prägen den öffentlichen Raum und die Städte oftmals negativ. Daher muss die Qualität von Architektur verstärkt vermittelt werden. Kritik ist vor allem für den öffentlichen Diskurs über Städtebau und speziell zu umstrittenen Projekten wichtig. Die Öffentlichkeit nimmt über Kritik an der Diskussion teil.

Es gibt heute viele Stimmen und Kanäle für Architekturkritik. Eine alleinige Deutungshoheit besteht nicht mehr. Fernsehen und Internet können genutzt werden, um ein breites Publikum zu erreichen. Es sollte auch vermittelt werden, wie Bauprojekte entstehen und wie Bauherren, Handwerkende, Architektinnen und Architekten und öffentliche Verwaltungsebenen miteinander arbeiten. Aus dem Publikum wird gefordert, vermehrt darzustellen, wie genau gebaut wird. Auch über den unnötigen Ressourcenverbrauch beim Bauen sollte ausgiebiger berichtet und die Frage gestellt werden, warum aktuelles Wissen hinsichtlich ressourcensparendem Bauen nicht in der Praxis umgesetzt wird.

Panel 3.2: Bildungsthema Architekturvermitt­lung – Wie gelingt Partizipation?

Auf dem Panel:
Daniela Billig, MdA, Bündnis 90/Die Grünen, Staatsrätin Gisela Erler, Staatsministerium Baden-Württemberg, Britta Jürgens, Deadline Architekten, Prof. Riklef Rambow, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Moderation:
Friederike Meyer, Chefredakteurin Baunetz Meldungen

Essenz:

  • Partizipation hießt zunächst, Informationen barrierefrei bereit zu stellen.
  • Mitdiskutieren muss erlernbar sein.
  • Teilhabe beginnt, bevor gezeichnet wird.
  • Alle Akteurinnen und Akteure und Meinungen über den gesamten Planungszeitraum im Blick behalten

Bericht:
Riklef Rambow eröffnet die Diskussion, indem er Formen der Teilhabe differenziert. Wichtig scheint ihm als unterste Stufe und Basis der Partizipation, dass es eine „kognitive Teilhabe“ gibt, d.h. dass die Betroffenen von Planungszusammenhängen überhaupt verstehen, „was gerade los ist“. Die höchste und intensivste Stufe der Partizipation – d.h. gemeinsam Entscheidungen tragen und verantworten – hält er für letztlich unerreichbar, sie findet fast nie statt. Weitaus wichtiger ist für ihn der Zugang zu Informationen.

Gisela Erler weist darauf hin, wie wichtig es ist, alle Betroffenen einzubinden und nicht nur die „üblichen Verdächtigen“, etwa die einschlägig aktiven NGOs oder gut informierte und politisch aktive Bürgerinnen und Bürger. Gesellschaftliche Randgruppen wie beispielsweise Nicht-Wahlberechtigte, Migrantinnen und Migranten oder Alleinerziehende müssen ebenfalls involviert werden. Sie berichtet, dass sie als Staatsrätin in Baden-Württemberg mit dem Zuständigkeitsbereich „Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung“ das Konzept der „Zufallsbürger“ eingeführt hat. Dabei werden zufallsgesteuert Akteurinnen und Akteure unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen ausgewählt, die dann zusammen mit einer moderierenden Person an Tischen mit 6 bis 8 Personen ein Problem diskutieren, das sie betrifft. Gisela Erlers Fazit: „Politisch unlösbare Probleme“ können nur durch Zufallsbürger gelöst werden. Gegenüber Volksentscheiden ist sie skeptisch. Diese böten zu wenige Entscheidungsmöglichkeiten, tendierten zum Populistischen und die Wählerinnen und Wähler hätten meist zu wenige Informationen, um sich eine qualifizierte Meinung zu bilden.

Daniela Billig führt die Frage um die Offenhaltung des Tegeler Flughafens als Beispiel für einen misslungenen Volksentscheid an. Als positives Gegenbeispiel berichtet sie vom bürgerschaftlichen Beirat beim Planungsprojekt Blankenburger Süden. Dort steuern die Betroffenen ihre lokale Expertise bei; die Entscheidungen trifft dann die Politik.

Britta Jürgens spricht über den frühen Planungsprozess des ersten Neubaus einer gewerblichen Baugruppe Deutschlands, dem Frizz23 am ehemaligen Blumengroßmarkt. Sie spricht von der Konzeptvergabe von landeseigenen Grundstücken durch das Land Berlin, von Workshops und davon, dass letztlich nur Leute involviert waren, „die Zeit und Interesse hatten“ – und eben keine Zufallsbürger.

Riklef Rambow bekräftigt, dass das Areal um den Blumengroßmarkt ein tolles, aber auch sehr spezielles Projekt für die „Kreativwirtschaft“ war – und genau deshalb nicht als beispielhaftes Vorbild gelten kann. Er betont, wie wichtig es ist, mit Repräsentantinnen und Repräsentanten zu arbeiten, denn für breit angelegte Prozesse direkter Demokratie haben die wenigsten Zeit und das nötige detaillierte Wissen.

Daniela Billig betont, dass man mit der Beteiligung anfangen muss, „bevor man zeichnet“ und dass es um Beratung geht, nicht um Entscheidungen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Rückmeldung der Politik an die bürgerschaftlichen Beiräte. Die eigentliche Entscheidung sei der kritische Moment, danach breche das Interesse ab und viele blieben frustriert zurück, da ihre Ideen nicht umgesetzt werden. Wie man dies verhindern und die Leute weiter einbinden kann, ist für Daniela Billig momentan eine zentrale Frage.

Riklef Rambow fordert, dass jedes Planungsamt eine Webseite haben sollte, auf der alle laufenden Projekte barrierefrei und verständlich durch Bilder, Pläne und Texte vorgestellt werden und die es ermöglicht, online zu kommentieren. Diese Forderung wird kontrovers diskutiert, auch mit dem Publikum. Britta Jürgens hält die Idee für unrealistisch und findet das Konzept der Zufallsbürger besser. Aus dem Publikum gibt es ein Plädoyer für das direkte Gespräch und eine zweite Person, die aus eigener Erfahrung betont, dass Online-Befragungen gut funktionieren können. Daniela Billig plädiert für eine Kombination, betont dabei aber auch, dass für die Verwaltungen das persönliche Gespräch sehr wichtig sei. Gisela Erler betont, dass eine Diskussion immer weiter bringt.

Gisela Erler erläutert als Antwort auf eine Publikumsfrage, dass Bürgerinnen und Bürger auch in einer Wettbewerbsjury sitzen können. Beim Realisierungswettbewerb für eine neue Justizanstalt in Rottweil sei beispielsweise das Votum der Betroffenen entscheidend in der Lösungsfindung gewesen.

Eine abschließende Meldung aus dem Publikum weist auf das Projekt „Die Stadtentdecker“ der AKAK Architektenkammer Brandenburg hin, das sich an Kinder und Jugendliche wendet: Teilhabe müsse man lernen.

Panel 3.3: Inklusion in der Planung – Ein exklusives Thema?

Auf dem Panel:
Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Prof. Irene Lohaus, Technische Universität Dresden, Anne Wening (stellvertretend für Volker Sieger), Bundesfachstelle Barierefreiheit, Šárka Voríšková, raumleipzig architekten, universalRAUM

Moderation:
Friederike Meyer, Chefredakteurin Baunetz Meldungen

Essenz:

  • Barrierefreiheit geht alle an!
  • Inklusion ist ein Konzept für die gesamte Gesellschaft.
  • Wir brauchen mehr Lust der Architektenschaft, neue, kreative Lösungen für ein „Design for all“ zu entwickeln.

Bericht:
Jürgen Dusel eröffnet die Diskussion mit einem kurzen Impulsvortrag. Er betont, dass Inklusion nicht nur für Behinderte wichtig ist, sondern ein Konzept, das die gesamte Gesellschaft betrifft. Die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben sei eine Grundlage für funktionierende Demokratie. Lange habe man exkludierend geplant, d.h. Behinderte lebten in ihrer eigenen Welt. 12,5 Millionen Menschen in Deutschland gelten als behindert, diese Gruppe ist heterogen, inklusiv zu planen braucht Expertise, Behinderte müssen in die Planung integriert werden. Würde man Deutschland im internationalen Vergleich eine Note für Inklusion geben, so bekäme es nur eine 3-4, denn „accessibility“ beschränkt sich hierzulande oft auf den öffentlichen Bereich. Jürgen Dusel fordert, dass auch private Anbieter verpflichtet werden sollten, barrierefreie Produkte anzubieten – das sei eigentlich Bundesrecht.

Irene Lohaus fordert, dass Barrierefreiheit in Wettbewerben von Anfang an mitgedacht werden muss, denn nur dann können anspruchsvolle architektonische Lösungen entstehen.

Jürgen Dusel erläutert, dass Barrierefreiheit bedeutet, dass Dinge und Räume von Behinderten „in der allgemein üblichen Weise und ohne fremde Hilfe genutzt werden können.“ Das Konzept „Design for all“ begreift er als einen Aufforderung zur Kreativität. Mit Blick auf den aktuellen Aufbau digitaler Infrastrukturen mahnt er dazu, Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken und nicht die gleichen Fehler zu machen, die früher bereits in anderen Feldern gemacht wurden.

Šárka Voríšková betont, dass man nicht noch mehr Gesetzte für barrierefreies Bauen braucht, sondern mehr Lust und Kreativität, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Irene Lohaus ergänzt hierzu, dass es darum geht, Spielräume der DINs auszunutzen, dass es für viele Planende aber gleichzeitig schwierig ist, diese Spielräume zu finden. Anne Wening verweist auf die entsprechenden Beratungsstellen, denn für Planende allein seien die Vorschriften oft nur schwer zu bewältigen.

Jürgen Dusel wirft ein, dass es vielleicht für Bauherren noch mehr Regeln brauche, damit die Planenden nicht in Erklärungsnot kommen, wenn sie anspruchsvoll barrierefrei planen möchten. Vor allem aber – so sein Schlusswort – darf Barrierefreiheit nicht mehr negativ konnotiert sein, sondern muss „sexy“ werden.


4. WIRTSCHAFTLICHKEIT – Erwirtschaften: Gleiche Chancen am Markt

Panel 4.1: Hinfallen, Aufstehen, Weitermachen – Wie steinig ist der Weg zum Erfolg im Ausland?

Auf dem Panel:
Jette Hopp, Snøhetta, Lars Krückeberg, GRAFT, Prof. Roland Dieterle, spatial solutions, Robert Ivy, American Institute of Architects (AIA)

Moderator:
Prof. Ralf Niebergall, Vizepräsident BAK

Essenz:

  • Wer einen Markt im Ausland erschließen will, der muss viel zuhören, hinsehen und verstehen.
  • Wichtig ist, selber vor Ort zu sein oder dort einen starken Partner zu haben.
  • Als Architektin oder Architekt sollte man eine eigene kulturelle Agenda haben und diese im Ausland leidenschaftlich vertreten.
  • Architektinnen und Architekten wünschen sich mehr Unterstützung der Bundesregierung dabei, deutsche Architekturbüros im Ausland zu vernetzen und bei Kooperationen zu unterstützen und so ihre Schlagkraft auf dem internationalen Markt zu erhöhen.

Bericht:
Auf dem von Prof. Ralf Niebergall moderierten NAXNAX Netzwerk Architekturexport-Panel „Hinfallen, Aufstehen, Weitermachen – Wie steinig ist der Weg zum Erfolg im Ausland“ diskutierten Jette Hopp, Lars Krückeberg, Prof. Roland Dieterle und Robert Ivy über die Herausforderungen und Hürden, die es für Planende beim Gang ins Ausland zu bewältigen gibt und teilten lehrreiche Erfahrungen, die sie während ihrer Karriere in diesem Zusammenhang gemacht haben.

Jette Hopp berichtete beispielsweise, dass Snøhetta sehr selten Projekte abbreche, aber durchaus des Öfteren gar nicht erst beginne, wenn beispielsweise die Recherchen zu einem ausländischen Markt unbefriedigende Ergebnisse erbracht hätten. Sollte es jedoch zu langfristigen Auslandsengagements mit größerem Bauvolumen kommen, sei es Snøhettas Strategie auch im Ausland mit einer Repräsentanz vor Ort zu sein. Dies helfe, kulturelle und sprachliche Barrieren abzubauen.

Lars Krückeberg vom Berliner Büro GRAFT berichtete von den untypischen Anfängen seines Unternehmens: Gegründet in den USA, eröffneten GRAFT bald eine zweite Niederlassung in China und realisierte dort ebenfalls sehr erfolgreich Projekte, bevor sie schließlich nach Deutschland zurückkehrten. GRAFT machten im Fernen Osten nicht nur positive Erfahrungen: Vor allem die fehlende Rechtssicherheit gegenüber chinesischen Partnern bekamen das Berliner Architekturbüro zu spüren, nachdem sie eine Klage gegen einen lokalen Bauherrn in China verloren, der, so Lars Krückeberg, GRAFT Designs unerlaubt verwendet hatte.

Auch Prof. Roland Dieterle, Inhaber und Geschäftsführer des Münchner Büros spatial solutions nutzten seine „wasserdichten Verträge“ mit dem ruandischen Staat letztlich wenig: Nach einer 12-jährigen Bauzeit des Kigali Convention Centers wurden er und seine Planende durch ein türkisches Design and Build-Unternehmen ersetzt, das den Bau des Kongresszentrum nach Dieterles Design zu Ende führte. Beide Planende waren sich einig: Als deutsche Architektin oder Architekt habe man zwar den Anspruch auch im Ausland eine hohe Qualität sicherzustellen, doch die Entscheidungen darüber würden einem manchmal aus der Hand genommen. Dieterle rät Architektinnen und Architekten daher, bei Aufträgen mit bauleitenden Tätigkeiten im Ausland Vorsicht walten zu lassen. Er selbst präferiere bei internationalen Projekten mittlerweile reine Entwurfs- und Beratungsleistungen.

Jette Hopp hingegen vertrat den starken Standpunkt, dass man als Architektin oder Architekt eine kulturelle Agenda habe und diese auch im Ausland in allen Leistungsphasen vertreten müsse. Krückeberg fügte hinzu, wer den Schritt in den internationalen Markt mache, solle im Vorhinein viel zuhören, verstehen und bereit sein, sich an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Am besten sei es, so viel wie möglich selbst vor Ort zu sein oder aber einen starken lokalen Partner zu haben.

Robert Ivy, CEO des American Institute of Architects, berichtete, dass die staatliche Unterstützung beim Export von Planerleistungen in den USA  zu wünschen übrig lasse. Zudem sei es für ausländische Architektinnen und Architekten sehr schwer, beruflich Fuß in den USA zu fassen, da die Lizensierungsbehörden fast ausschließlich Abschlüsse von nationalen Universitäten anerkennen würden. Ähnlich dem deutschen Föderalismusprinzip sei es auch für einen in Kalifornien registrierten Architekten nicht möglich, Bauanträge in Washington einzureichen. Diese Hürden würden derzeit jedoch kontrovers diskutiert.

Roland Dieterle und Lars Krückeberg sprachen sich auch für mehr Unterstützung durch die deutsche Regierung für Planende aus, die bereits im Ausland aktiv seien. Europäischen Firmen müsse die Zusammenarbeit erleichtert werden, um ihre Schlagkraft international zu erhöhen.

 

Panel 4.2: Weibliche Führung – Wer entscheidet in der Planung?

Auf dem Panel:
Dr. Brigitte Schultz, Chefredakteurin Deutsches Architektenblatt, Prof. Sabine Keggenhoff, Keggenhoff Partner, Verena Bentele, Präsidentin Sozialverband VdK, Ulli Nissen, MdB, SPD

Moderation:
Prof. Ralf Niebergall, Vizepräsident BAK

Essenz:

  • Frauen müssen laut und mutig ihre Rechte einfordern
  • Politik und Arbeitgebende sind gefordert, ein familienfreundliches Umfeld zu schaffen
  • Mehr Sichtbarkeit entsteht durch konsequentere Nutzung gendergerechter Sprache
  • Nötig ist eine bessere Förderung junger Architektinnen

Einführung:
Prof. Ralf Niebergall: 50 % der Architekturstudierenden sind Frauen, aber nur 30 % arbeiten später in ihrem erlernten Beruf. Noch geringer ist der Prozentsatz bei den Büroinhaberinnen oder bei Frauen in der Führungsebene großer Architekturbüros. Was muss in der Gesellschaft passieren oder was können Frauen auch selbst tun, um sichtbarer zu werden?

Bericht:
Ulli Nissen: Sie ist langjährige Abgeordnete der SPD-Bundestagsfraktion: Das Thema „Sichtbarkeit der Frauen“ begleitet sie schon seit Beginn ihrer politischen Arbeit. Es sind auch die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Warum z. B. heißt es Deutscher Architektentag? Sie selbst fühlt sich nicht angesprochen. Geschlechtergerechte Sprache muss eine Selbstverständlichkeit in unserer Gesellschaft sein.

Prof. Sabine Keggenhoff: Sie leitet ein Architekturbüro und hat sich gegen Kinder entschieden. Der Job fordert sie voll und ganz. Frauen, die eine Führungsrolle übernehmen wollen, müssen sich entscheiden. Sie arbeitet in ihrem Büro hauptsächlich mit Frauen und ermöglicht ihren Mitarbeiterinnen durch flexible Arbeitszeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Ein Büro zu führen, ist aus ihrer Sicht nicht mit Familie vereinbar. Bei laufenden Projekten muss sie jederzeit zeitlich flexibel sein.

Verena Bentele: Sie war früher eine erfolgreiche Sportlerin und ist heute Präsidentin des Sozialverbands VdK. Sie kennt das Problem, von Männern unterschätzt zu werden. Frauen müssen aktiv werden und ihre Rechte einfordern. Warum auf andere hoffen oder warten, dass sich etwas ändert. Ihr Credo lautet: Seid mutig und laut, dann erreicht ihr etwas.

Dr. Brigitte Schultz: Sie arbeitet als Chefredakteurin des Deutschen Architektenblatts. Ihrer Meinung nach muss es möglich sein, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Arbeitgebende sind gefordert, ein familienfreundliches Umfeld zu schaffen und Frauen müssen dieses aktiv einfordern.

Die Runde diskutiert kontrovers. Was wurde seit der Wende bei der Gleichberechtigung erreicht? Gar nichts oder sehr wenig sagen die einen. Viel, meinen andere. Man denke hier nur an die Einführung der Elternzeit, die von Müttern und Vätern in Anspruch genommen werden kann. Auch gibt es erfolgreiche Netzwerke für Architektinnen, die genutzt werden können. Für junge Architektinnen steht die Problematik der Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht an erster Stelle. Sie fordern vielmehr eine bessere Förderung junger Architektinnen. Frauen müssen eine Chance bekommen, sich im Beruf zu beweisen. Oft werde ein Mann bevorzugt, der keine Kinder bekommen kann. Auch gebe es immer noch Ungerechtigkeiten in der Bezahlung.

Panel 4.3: Kooperation zwischen Planenden – Erfolg durch Solidarität?

Auf dem Panel:
Matthew Griffin, Deadline Architekten, Prof. Dr. Guido Spars, Bergische Universität Wuppertal, Marion Gruber, PLOV Architekten, Julia Hinderink, Architektin

Moderation:
Prof. Ralf Niebergall, Vizepräsident BAK

Essenz: Voraussetzungen und Erfolgsfaktoren für erfolgreiche Kooperationen sind:

  • Hohes Engagement aller Beteiligten
  • Gelebte Debattenkultur und Solidarität
  • Mehr wollen, als nur Dienstleister zu sein
  • Für die Baukultur kämpfen wollen
  • Gute Kommunikation und viel Verständnis für die Belange der Kooperationspartner
     

Bericht:
Seit der Finanzkrise 2008 nimmt die Ko-Produktion von Stadt zu. Dabei kooperieren nicht nur Planende miteinander, sondern auch Planende mit Nicht-Planenden, Künstlerinnen und Künstlern, Wohneigentümerinnen und -eigentümern etc. Kooperation erhöht die gesellschaftliche Sichtbarkeit von Architektur!

Vorgestellt und lebhaft diskutiert wurden alternative Formen der Stadtentwicklung neben der rein durch ökonomische Interessen getriebenen Bauwirtschaft. Ziel dieser Ansätze beispielsweise alternativer Baugruppen, muss es sein, Lösungen zu finden, die Wirtschaftlichkeit, Umwelt, Klima und die Bedürfnisse der Einwohnerinnen und Einwohner angemessen berücksichtigen. Deutlich wurde, dass es auch zukünftig immer beides geben wird, also die Parallelität von Kooperationsmodellen und Investorenarchitektur.

Während die Architektinnen und Architekten dafür plädierten, dass sie nicht nur als dienstleistende Personen für die Bauherren wahrgenommen werden dürften, sondern darüber hinaus immer auch als Projektentwickelnde und Stadtplanende agieren und als Ideenlieferantin oder -lieferant für gesellschaftliche Belange gesehen werden müssten, sahen die anwesenden Ökonominnen und Ökonomen eher einen geringen Risikoübernahmewillen bei der Architektenschaft als Ursache dafür, dass häufiger die Investierenden Entscheidungen über die Bebauung von Grundstücken träfen als Architektinnen und Architekten.


5. BODENPOLITIK/ WOHNUNGSBAU – Weiterbauen: Planbarkeit von Stadt und Land

Panel 5.1: Die richtige Mischung – Wem gehört der Boden?

Auf dem Panel:
Stefan Forster, Stefan Forster Architekten, Heidrun Bluhm, MdB, Die Linke, Daniel Föst, MdB, FDP, Prof. Stefan Rettich, Universität Kassel, Claudia Tausend, MdB, SPD

Moderation:
Markus Lehrmann, Hauptgeschäftsführer AKNWAKNW Architektenkammer Nordrhein-Westfalen

Essenz:

  • Forderung: Klares Bekenntnis zur Sozialpflichtigkeit gem. § 14 Grundgesetz. Vollzug verbessern!
  • Instrumente:
    – Gemeinnützigkeit reformieren
    – Kommunen finanziell entlasten und handlungsfähiger machen
    – Planwertausgleich, Spekulationsdeckel
    – BauGB Novelle (besonders Städtebaurecht)
    – Bau NVO und Bauverordnungen reformieren
  • Ausgleich Stadt/ Land, urbane Räume vor Überlastung schützen: Entlastungsstrategie!
Panel 5.2: Wohnungsbau – Wie funktioniert städtische Nach­verdichtung?

Auf dem Panel:
Prof. Dr. Christine Hannemann, Universität Stuttgart, Prof. Ulrike Böhm, bbzl böhm benfer zahari landschaften städtebau berlin, Universität Stuttgart, Prof. H. P. Ritz Ritzer, bogevischs buero – Architekten & Stadtplaner, Beuth-Hochschule Berlin, Tim von Winning, Bürgermeister Stadt Ulm

Moderation:
Markus Lehrmann, Hauptgeschäftsführer AKNW

Essenz:

  • Weiterentwicklung bestehender Quartiere.
  • Gesamtgesellschaftliche Bedeutung vermitteln für mehr Flexibilität.
  • Dreifache Weiterentwicklung, in der Verkehrsräume als Potential mitgedacht werden.
  • Baurechtlichen Rahmen weiterentwickeln (Bau NVO novellieren).

Bericht:
Zunächst einmal mit einem besseren Wording: Statt dem bei der Bürgerschaft stets Protest hervorrufendem Nachverdichten sollte künftig besser von der Weiterentwicklung bestehender Quartiere gesprochen werden. Außerdem empfiehlt es sich, für die dort bereits lebenden Menschen dabei einen Mehrwert zu generieren: Die sozialen Strukturen sind nicht nur zu erhalten, sondern auch zu verbessern und der öffentliche Raum aufzuwerten. Genaugenommen handele es sich um eine dreifache Innenentwicklung, denn neben der Neunutzung von ehemals bebauten Flächen und der Optimierung von Freiflächen ließen sich auch die Potenziale von Verkehrsräumen nutzen. Innovationen und Kreativität sind hierbei vor allem bei den Architektinnen und Architekten und Stadtplanerinnen und Stadtplaner gefragt. Und trotz der vorhandenen baurechtlichen Rahmenbedingungen sollte das Instrumentarium dringend an die städtebaulichen Ziele angepasst werden. Die Novellierung der Baunutzungsverordnung sei zwingend und Überzeugungskraft allenthalben erforderlich.

Soweit das Resümee des Forums. Doch was war den Teilnehmenden noch wichtig? Zum einen kam die Frage auf, was eine Wohnungsnot sei, wenn beinahe jeder/jedem 45 Quadratmeter zur Verfügung stünden? Und haben wir tatsächlich eine Wohnungsnot, wenn 1,5 Millionen neu zu bauender Wohnungen 2 Millionen leerstehende gegenüberstehen? Dem entgegen stehen die Fragen: Wie frei sind die Menschen in ihrer Wohnortwahl und wie weit darf man sie bevormunden? In der Politik herrsche eine große Diskrepanz zwischen „Überschriften und was man an Veränderung mag“. Planen (und Stadtentwicklung) sei demnach die Suche nach Lösungen bei nicht vorhandenem Konsens. Am Ende der Diskussion wünschte sich

  • Ritz Ritzer die europäische Stadt zu bewahren und bei der Weiterentwicklung auf die kritische Größe zu achten,
  • Christiane Hannemann nicht nur die Ökoverträglichkeit zu prüfen, sondern auch die Sozialverträglichkeit,
  • Ulrike Böhm niedrigschwellig aneignungsfähige (Frei-)Räume zu erhalten und
  • Tim von Winning starke Personen und Institutionen für hoheitliches Handeln, da die Marktwirtschaft nicht alles schafft.
Panel 5.3: Mobilität, Logistik, Infrastruktur – Wie gelingt intelli­gente Vernetzung?

Auf dem Panel:
Prof. Dr. Heiner Monheim, raumkom, Prof. Elke Pahl-Weber, Technische Universität Berlin, Peter Haimerl, Peter Haimerl . Architektur, Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin BAK

Moderation:
Markus Lehrmann, Hauptgeschäftsführer AKNW

Essenz:

  • Dezentrale Konzentration als Leitbild für Vernetzung von Stadt und Land.
  • Intelligente Organisation der Mobilität.
  • Intelligente Vernetzung heißt: Angebote schaffen aus Kultur, Wohnen und Arbeiten.
  • Stadt-Land-Gefälle bei Kultur (und Architektur) überwinden. Land braucht kulturelle Impfung.
  • Zukunft liegt auch in der Digitalisierung. Breitbandnetze sind Daseinsvorsorge.

Bericht:
Frage: Wachstum und Schrumpfung existieren heute dicht beieinander. Gibt es den klassischen Dualismus Stadt vs. Land noch? Sind das vielleicht eher Lebensgefühle?

Heiner Monheim: Das Bild ist differenzierter. Es gibt drei Typen von ländlichem Raum:

  • Ballungsraumnahe Räume
  • Touristisch geprägte Räume
  • Periphere Räume

Das traditionelle Bild vom Land (auch in den Medien) ist falsch. Deutschland besteht vor allem aus historisch gewachsenen Klein- und Mittelstädten. Schrumpfung passiert nicht ins Nirgendwo und nicht nur in die Metropolen, sondern in diese Klein- und Mittelstädte. Viele von ihnen sind wirtschaftlich stark. Zudem existiert ein Austausch zwischen Stadt und Land: Stadtbewohnende suchen Erholungswert im ländlichen Raum („System kommunizierender Röhren“)

Barbara Ettinger-Brinckmann: Ländlicher Raum gilt als Entlastungsraum. Klein- und Mittelstädte werden als attraktiver beurteilt als die Metropolen. Auch als Wohnort ist das „Land“ gewünscht (Befragung für Baukulturbericht).

Frage: Ist die Forderung nach gleichwertigen Lebensbedingungen realistisch? Ist sie überhaupt wünschenswert?

Elke Pahl-Weber: Unbedingt. Die politische Stärkung radikaler Parteien zeigt das. Darüber hinaus stehen die gleichwertigen Lebensbedingungen im Grundgesetz. Dazu gehört auch eine flächendeckende Einführung des 5G-Netzes. Da hat es zum Glück innerhalb weniger Monate einen politischen Umschwung gegeben. Zahlreiche wichtige Industriebetriebe („Hidden Champions“) haben ihren Sitz in ländlichen Gegenden. Arbeitsplätze müssen gehalten werden. 5G wäre aber eigentlich eine staatliche Aufgabe und nicht eine von konkurrierenden Privatunternehmen.

Peter Haimerl: Auch im Bayerischen Wald gibt es viele große Hightech-Firmen. Durch die Struktur der EUEU Europäische Union-Agrarsubventionen ist das Kleinbauerntum ausgestorben. Jugendliche auf dem Land haben nichts mit ihrem Ort zu tun, leben wie in der Stadt: Smartphone, Youtube etc. Gleichzeitig ist der Lebensstandard auf dem Land höher: Eigentum, Einfamilienhaus, geringere Fixkosten, günstigere Lebenshaltung. Aber: Es gibt ein Stadt-Land-Gefälle bei Kultur (und Architektur). Das Land braucht eine kulturelle Impfung (Konzerthaus Blaibach). Eine generelle Beobachtung ist: Die Menschen warten auf neue Ideen, künstlerische Konzepte. Dabei muss man aber die Menschen mitnehmen und in die Offensive gehen. In Blaibach waren anfangs zwei Bürgerinitiativen gegen das neue Konzerthaus.
Ein aktuelles Projekt in Mittelfranken zeigt ähnliches. Auf einen Abriss im Zentrum folgt der ungewöhnliche und innovative Neubau eines 3D-gedruckten Hauses. Aber 23 von 25 Stadträten konnten überzeugt werden.

Barbara Ettinger-Brinckmann: Kassel war beispielsweise zur Zeit der innerdeutschen Grenze Zonenrandgebiet. Hier wurde Ende der 1960er die bewusste Entscheidung getroffen, eine Universität zu gründen. Diese hat als Motor gewirkt, der sich heute auszahlt: Kassel ist ein wichtiger Wissenschafts- und Industriestandort.

Heiner Monheim: Es war eine gute Entscheidung, die Hochschullandschaft zu dezentralisieren. Dies hatte positive Effekte auf ie Qualifikation in den Regionen.

Frage: Wie verhält es sich mit Verkehr und Boden?

Heiner Monheim: Beim Verkehr ist Deutschland Entwicklungsland. Städte sind nicht intelligent vernetzt, weil der Verkehr nur auf das Auto fokussiert ist. Es war ein Fehler, dass Bahnstrecken stillgelegt wurden und der Güterverkehr per Bahn zurückgedrängt wurde. („Unwesen von Hartmut Mehdorn“)
Es gibt innovative Regionen mit einem ÖPNV-Anteil von 20% (wie in der Großstadt). Die Schweiz bietet ein positives Beispiel. Hier verlangt der Gesetzgeber, dass der Weg von jeder Alm zum nächsten Bahnhof maximal eine Stunde betragen darf. Die Verkehrswende muss im ländlichen Raum beginnen. Dort ist es auch einfacher, weil die Strukturen überschaubar sind und die Verwaltung ihre Bürgerinnen und Bürger kennt. Außerdem muss das Städtenetz ausbildet werden. Beispiele zeigen eine starke Steigerung der ÖPNV-Fahrgäste (100.000 auf 2 Mio.), gebremst werden die großen Konzepte meist durch die Gesetzgebung. Beispielsweise die Stellplatzordnung etc. Aber es gibt zahlreiche Innovationen auf kommunaler Ebene, trotz gleicher Regeln.

Idee: Unterstützenswert ist die Kombination von Güter- und Personenverkehr, wie es früher zum Beispiel beim Postbus der Fall war. Als Vorbild können hier Skandinaviens Kombibusse dienen. In Deutschland ist dies jedoch heute gesetzlich nicht möglich.

Woran hakt es? Wir wollen es nicht anders, „wollen Stauland sein“, haben eine „Autokanzlerin“ („Deutschlands erfolgreichstes Exportgut: Stau!“).
Nicht ÖPNV ist hoch subventioniert, sondern (indirekt) das Auto. Eine realistische Rechnung zeigt: Der Autoverkehr kostet 160 Mrd. Euro pro Jahr, inklusive Verkehrsunfälle, Belastungen durch Autos etc. Dieses Geld muss umverteilt werden! Dank „Fridays for Future“ kommt es jetzt endlich zu einem Umdenken.

Barbara Ettinger-Brinckmann: Das Auto nimmt wertvollen Boden weg und führt zu übermäßiger Versiegelung. Aber im ländlichen Raum ist es mitunter die einzige Möglichkeit zur Teilhabe. Der ländliche Raum kann nicht alle Funktionen haben, aber alle haben das Recht auf Teilhabe: Wir brauchen also Alternativen zum Auto: Das Schienennetz muss ausgebaut, die Taktung verdichtet werden, es muss logische und günstige Tarife geben. Die Bundesarchitektenkammer fordert eine „Dezentrale Konzentration“, bei der die Innenentwicklung der Ortskerne Vorrang vor neuen Baugebieten hat.

Elke Pahl-Weber: Man denkt, auf dem Land herrsche ein schonender Umgang mit den Ressourcen. Aber das Gegenteil ist der Fall. In Sachen Klimaschutz und Bodenverbrauch herrscht dort ein schlechter Umgang. Weniger die Politik als die Gewerkschaften sind die Fürsprecher für Autos der Arbeitsplätze halber. Erst langsam beginnt ein Nachdenken, wie sich diese Arbeitsplätze durch E-Mobilität etc. verändern können.

Eine Empfehlung ist es, sich eine App zu besorgen, die den CO2-Ausstoß des eigenen Alltags und der Mobilität errechnet. Diese hat einen erschreckenden und dadurch einen erzieherischen Effekt. Der Reflex „ja gerne, aber nicht bei mir“ muss überwunden werden. Menschen müssen direkt erreicht und überzeugt werden. Dies ist ein zeitintensiver Kommunikationsprozess, der sich aber auszahlt. Die „Werthaltung“ der Menschen muss sich verändern. Hierzu gibt es auch das Projekt der TU Berlin „Urban Design Thinking“, mit Mobilitätskonzepten auf Quartiersebene in Charlottenburg.

Die Raumordnung in Deutschland ist eine Katastrophe. Die zuständigen Ministerien ziehen nicht an einem Strang, ebenso wenig Bund und Länder. Expertise kann von außen geholt werden, z.B. aus Dänemark.

Peter Haimerl: Wir müssen europäisch denken. Die Veränderungen auf unterer Ebene sind zu klein. Ein Beispie sindl fahrradfreundliche Städte. Diese sind immer nur Einzelfälle.

Publikum: Mehrgewinne der Verkehrswende müssen sichtbar gemacht werden. Vorteile entstehen durch den Wegfall der Flächen für das Auto.

Frage: Wie verhält es sich mit dem Baukindergeld? Im ländlichen Raum ist es gleich hoch wie in Köln. Ist das gerecht?

Barbara Ettinger-Brinckmann: Es muss dabei baukulturelle Auflagen geben.


6. ENERGIEWENDE – Umdenken: Energie, Klima, Material

Panel 6.1: Zwei­-Grad­-Ziel – Kann denn Bauen Sünde sein?

Auf dem Panel:
Prof. Dr. Felix Creutzig, Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change und Technische Universität Berlin, Sabine Djahanschah, Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Andrea Gebhard, mahl gebhard konzepte Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, Prof. Dr. Niko Paech, Universität Siegen, Andreas Kuhlmann, Deutsche Energie-Agentur (dena)

Moderation:
Monika Remann, Agentur für nachhaltiges Bauen

Hier können Sie sich das Panel im Film anschauen.

Essenz:

  • Darauf hinwirken, dass Lebensstile verändert werden.
  • Architektur der Zukunft muss darauf ausgelegt sein, den Bestand zu optimieren.
  • Grün- und Freiräumen größeren Stellenwert beimessen, sie als produktiven Ort entwickeln.

Bericht:
Suffizienz und Resilienz als wesentliche Funktion zukünftiger Architektur: Was haben Architektinnen und Architekten noch zu tun, wenn nicht mehr neu gebaut wird? Mehr als genug, denn der Bestand braucht neue Lösungen. Das Zwei-Grad-Ziel ist seit etwa 20 Jahren auf der politischen Agenda. Besonders publik geworden ist es auf der Klimakonferenz in Paris: Die globale Erderwärmung darf im Vergleich zur vorindustriellen Zeit nicht mehr als zwei Grad betragen. Was hat das mit dem Berufszweig zu tun? Bereits vor 10 Jahren gab es das Klima-Manifest des BDA „Vernunft für die Welt“, gewissermaßen als Selbstverpflichtung für den Berufsstand. Daran möchten wir heute gern anknüpfen und fragen: Was ist eigentlich in der Vergangenheit passiert? Welche Erkenntnisse haben wir gewonnen? Kann Bauen Sünde sein bei der Verfolgung des Zwei-Grad-Ziels? Es gibt keine Erkenntnisprobleme, aber es ist viel zu tun, was die Umsetzung angeht.

Niko Paech: Bauen ist eine Sünde, vor allem, wenn es um Neubau geht. Jeder weitere Quadratmeter Wohnfläche, der durch Neubau erschlossen wird, stellt eine ökologische Katastrophe dar. Die unverschämte Idee der Wohnungsnot in Deutschland gehört auf den Prüfstand. Doch leider herrscht der Wettlauf, immer mehr zu bauen und noch mehr Fläche zu versiegeln. Wo bleibt der Aufschrei, der nötig ist, um Politik und Gesellschaft zu verdeutlichen, dass es keinen Neubau braucht? Es gibt kein Menschenrecht darauf, in Berlin-Mitte zu verträglichen Preisen zu wohnen.

Was also ist die Lösung? Die Architektur der Zukunft kann nichts anderes sein als der Versuch, vorhandene Bestände zu optimieren, zu sanieren und neue Konzepte des Zusammenlebens zu ermöglichen, außerdem verdichtete Wohnnutzungen, kurze Wege und Gemeinschaftsnutzungen sicherzustellen. Die meisten Architektinnen und Architekten jedoch verdienen ihr Geld mit Neubau. Obwohl dieser Missstand einerseits beklagt wird, wird andererseits nicht dafür plädiert, dass dann zumindest Passiv-, Null- oder Plusenergiehäuser in Holz gebaut werden. Dafür macht sich offensichtlich niemand stark.

Klimaschutz ist ein globales Verteilungsproblem. Wenn wir das Zwei-Grad-Ziel einhalten wollten, würde das bedeuten, dass jeder von uns nur noch eine Tonne CO2 freisetzen dürfte. Welche Beiträge leisten Architektinnen und Architekten dafür, dies zu verwirklichen?

Sabine Djahanschah: Die Position der Suffizienz teile ich. Ich bezweifle aber, dass gesellschaftliche Weiterentwicklung und Innovation ohne jeglichen Neubau möglich ist. Klar ist: der Ressourcenverbrauch explodiert. In China ist in den letzten drei Jahren mehr Zement verbraucht worden als in den USA im vergangenen Jahrhundert.

Wir müssen weiterentwickeln, weiternutzen und verdichten. Natürlich muss der Energieverbrauch gesenkt werden, gleichzeitig müssen wir auch über Urban Mining reden. Wie können wir unsere Gebäude zu Rohstofflagern machen?

Wir müssen weg vom Konzept separater Energiekonzepte und Haustechnikerinnen und -techniker. Klimaschutz bedeutet nicht „noch mehr Gebäudetechnik“. Es gibt viele passive Möglichkeiten. Architektinnen und Architekten sollten mehr Verantwortung übernehmen. Mehr ganzheitliches Nachdenken ist erforderlich.

Andreas Kuhlmann: Was ist in den knapp 30 Jahren nach Rio schiefgegangen? Seit 1992 wurde mehr CO2 ausgestoßen als bis dahin. Ich glaube, dass wir Demokratie und liberale Gesellschaften brauchen, wenn wir zu guten Lösungen kommen wollen. Ich vermisse dieses Statement in manchen Diskussionen. Es geht darum, wie wir die heute zu Verfügung stehenden Technologien und Stadtkonzepte nutzen, um nachhaltiges Bauen und Umbauen so hinbekommen, dass wir alle gut leben können. Wir sind umgeben von Milliarden Tonnen Materialien (Urban Mining). Wir müssen stärker über den Prozess „cradle to cradle“ nachdenken. Mein Votum an dieser Stelle ist es, ganzheitlicher zu denken. Architektinnen und Architekten müssen zusammen mit Stadtplanenden und denjenigen arbeiten, die sich mit integrierter Energiewende beschäftigen.

Andrea Gebhard: Wie kann es uns gelingen, das Aufheizen der Stadt zu verhindern? Was sind die Möglichkeiten? Es gibt viele Instrumente, z.B. den Landschaftsplan. Wir müssen in die großen Zusammenhänge gehen. Wie sieht die Doppelte Innenentwicklung aus? Die Möglichkeit, Bäume in der Stadt zu pflanzen, nimmt immer mehr ab. Wie gehen wir mit der Feuerwehr um? Vielleicht müssen wir teurer bauen, um ein zweites Treppenhaus zu ermöglichen und dadurch Freiräume zu gewährleisten

Arbeiten 4.0: Künftig werden Lebensmittel auch wieder in der Stadt produziert. Dächer können nicht nur als Dachgärten sondern auch als Produktionsstätten genutzt werden. Integrierte Ansätze müssen überall gedacht werden.

Wir brauchen ein Landschaftsentwicklungsprogramm im ganzen Land. Wälder sind klimasenkend. Wir brauchen Aufforstung und eine nachhaltige Veränderung der Landwirtschaft.

Felix Creutzig: Die Sache ist dramatischer als man liest. In Deutschland müssten wir eigentlich gegen 2035 keine Emissionen mehr ausstoßen dürfen. Müssen wir überhaupt noch bauen und wenn ja, wie? Sind Zement und Stahl noch vertretbar? Ja, es gibt eine Zementbauweise, die mit weitaus weniger CO2 auskommt. Aber die Ersparnis wird durch den Rebound-Effekt wieder zunichte gemacht.

Es gibt gerade eine sehr hohe monetäre Liquidität. Das Geld muss irgendwo hin. Deswegen wird viel gebaut, sozusagen hausgebautes Kapital. Das ist ein Makroproblem, das mit Architektur selbst erst einmal nichts zu tun hat.

„Wohnen“ sollte als Dienstleistung gesehen werden. Welche Designmöglichkeiten gibt es überhaupt in der Umsetzung, ohne CO2 auszustoßen?

Es ist wichtig, politische Forderungen zu stellen.

Andreas Kuhlmann: Wir sprechen heute von der integrierten Energiewende, die Sektoren müssen zueinander gebracht werden. Für welches Menschenbild wollen wir in Zukunft Städte planen? Verdichtete Städte sind besser, aber das muss vor allem gesellschaftspolitisch umgesetzt werden. Wir müssen mehr über Ressourcen reden. Warum reden wir nicht öfter über gute Beispiele? Standards müssen verändert werden. Nur darauf zu warten, dass sich die Dinge in den nächsten 20, 30 Jahren verändern, reicht nicht aus.  Wir müssen stärker über städteplanerische Standards sprechen.

Andrea Gebhard: Bislang dürfen Satzungen nur zur Gestaltung erlassen werden, nicht zur Ökologie. Wir brauchen neue Satzungen, die den Städten festschreiben, wie viel zu begrünen ist. Das 5-Hektar-Ziel für Bayern und das 30-Hektar-Ziel für den Bund muss fest verankert werden.

Sabine Djahanschah: Wir bewegen uns viel zu wenig in wirklichen Transformationsbrüchen. Schulen etc. werden zwar saniert, doch wir müssen eigentlich andere Lebensstile erfinden. Momentan gibt es überhaupt kein entsprechendes Angebot für innovative Mischnutzungen, die neue Lebensformen ermöglichen. Es gibt ein paar Projekte, aber noch längst nicht flächendeckend. Das Thema muss anders in die Gesellschaft eingebracht werden. Wir haben zu wenig spannende, wirklich neue Konzepte.

Wir müssen die planetaren Leitplanken beachten. Beim Artenschutz und Ernährung gibt es noch viel gravierendere Probleme. Ich wünsche mir viel radikalere Konzepte.

Dadurch können andere kreative Potenziale freigesetzt werden. In der Schweiz wird beispielsweise ganz anders auf bestehende Einfamilienhausgebiete geschaut. Da geht es nicht nur um Sanierung, sondern auch um andere Lebensstile und Lebensformen.

Niko Peach: Problematisch ist in meinen Augen der Rebound-Effekt. Alle technologischen Fortschritte wurden und werden durch die Vergrößerung der Wohnfläche aufgefressen. Die Lösung: Wir brauchen den Stopp des Neubaus. Jeder Quadratmeter Wohnfläche verbraucht wahnsinnig viel Energie. Ich würde gar von Rückbau reden. Sogar der Rückbau muss ein Thema werden, um die Stadtökologie zu fördern. Die Nachverdichtung in den Metropolen ist keine Option. Wir müssen den Menschen durch positive Beispiele zeigen, dass man mit weniger Wohnraum auskommt (Verweis auf das Buch von Daniel Fuhrhop). Die Gemeinschaftsnutzungen von Räumen und Geräten können zu enormen Einsparpotenzialen und einem anderen sozialen Miteinander führen. Der Aufruf an die Architektinnen und Architekten lautet: Der kulturelle Wandel wird nicht aus Berlin oder Brüssel kommen, sondern von Ihnen. Seien Sie Störenfriede und schwimmen Sie gegen den Strom! Solche Störenfriede machen den Unterschied.

Felix Creutzig: Entweder man nimmt das Zwei-Grad-Ziel ernst und ergreift bestimmte Maßnahmen oder man macht weiter wie bisher. Einen Kompromiss gibt es da eigentlich nicht.

Andreas Kuhlmann: An radikalen Konzepten mangelt es uns nicht. Wir haben hingegen einen Mangel an der konsequenten Anwendung. Verzicht und technologischer Fortschritt dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Niko Paech: Wenn Neubau oder nicht nachhaltige Wohnformen mit einer besseren Technologie gerechtfertigt werden, führt das zu einem psychologischen Rebound-Effekt. Lieber null Hektar oder sogar minus fünf.

Schlussrunde
Was bedeutet all das, was wir heute diskutieren, zur Folge für die Architekturqualität? Wie sieht die Qualität der Architektur aus, die daraus resultiert? Wie können wir die Architekturqualität verbessern?

Felix Creutzig: Es gibt ein neues Potenzial für neue Design-Möglichkeiten.

Andreas Kuhlmann: Ganzheitliches Denken ist besonders wichtig. Bitte arbeiten Sie stark zusammen, mit Stadtplanern, Technikern und anderen Beteiligten.

Andrea Gebhard: Daraus resultiert der Aufruf zu einer besseren Gestaltqualität, die durch interdisziplinäre Zusammenarbeit erreicht wird.

Niko Paech: Architekteinnen und Architekten, die Teil der Lösung sein wollen, müssen Lebensstilberatende sein und die CO2-Bilanz ihrer Klientinnen und Klienten analysieren. Wo gibt es Einsparpotenziale? Planende müssen zu Moderatorinnen, Moderatoren, Mediatorinnen und Mediatoren werden.

Sabine Djahanschah: Nur das, was wir lieben und wertschätzen, wird langfristig genutzt

Panel 6.2: Lang nutze das Haus – Noch zu retten oder weg damit?

Auf dem Panel:
Prof. Dr. Lamia Messari-Becker, Universität Siegen, Prof. Christoph Mäckler, Mäckler Architekten, Deutsches Institut für Stadtbaukunst, Christian Kühn, MdB, Bündnis 90/Die Grüne, Prof. Martin Haas, haascookzemmrich STUDIO205

Moderation:
Monika Remann, Agentur für nachhaltiges Bauen

Hier können Sie sich das Panel im Film anschauen.

Essenz:

  • Graue Energie muss im Gebäudeenergiegesetz (GEGGEG Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung Erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden) verankert werden: Gebäude-Ressourcen-Gesetz.
  • Umfangreicher Bewertungsmaßstab für Neubauvorhaben.
  • Weg von der Quantität, zurück zur Qualität: Baukultur stärken und baukulturelle Ressourcen nutzen.
Panel 6.3: Konzept, Material, Verantwortung – Was hinterlassen wir der nächsten Generation?

Auf dem Panel:
Muck Petzet, Muck Petzet Architekten, Prof. Martin Rauch, Lehm Ton Erde Baukunst, Sybille Benning, MdB, CDU, Claudia Langer, Generationenstiftung

Moderation:
Monika Remann, Agentur für nachhaltiges Bauen

Hier können Sie sich das Panel im Film anschauen.

Essenz:

  • Kostenwahrheit abbilden: Die Folgekosten der Klimakrise zu tragen ist teurer, als deren Vermeidung.
  • CO2-Steuer erheben.
  • Appell für „Architects for Future“.
  • Rückbesinnung zum Fortschritt.

Bericht:
Im Vordergrund standen die Themen Ressourcennutzung, umweltschonende Baumaterialien und der Suffizienzgedanke. Die Panellistinnen und Panellisten waren sich einig, dass ein energieeffizienter Lebensraum durch das Senken des Lebensstandards erreicht werden kann. Nicht ein ständiges Wachstum, sondern die Rückentwicklung und die Besinnung auf fundamentale Bedürfnisse sind zur Unterstützung des Klimaschutzes anzustreben.

Die Kernfragen “Sind wir architects for future?” und “Wie radikal können Architektinnen und Architekten sein?” dienten als Leitfaden der Diskussion, unter dem beleuchtet wurde, inwieweit Architektinnen und Architekten einen transformativen, zukunftsfähigen und proaktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten können und müssen. Architekten und Architekten bauen die Zukunft mit. Da Architektinnen und Architekten Realitäten gestalten, sollten sie sich, so wurde betont, nicht nur kämpferischer für den Klimawandel, sondern auch für die soziale Ungleichheit einsetzen, da beides Hand in Hand ginge. Architektinnen und Architekten schaffen Lebensräume, deren Ziel es auch sein sollte, das Bewusstsein der Bevölkerung für den Klimawandel zu schärfen. Ziel ist es, Konzepte für nachhaltige, sozialere Städte und eine zukunftsweisende Mobilität zu entwickeln. Die Politik ist verantwortlich dafür, dies zu unterstützen, so die Diskutierenden.

Diskutiert wurde auch, welche Daseinsberechtigung Bestandsgebäude in unserem Lebensraum haben und wie mit ihnen umgegangen werden muss. Gebäude könnten für eine langfristige Lebensdauer saniert werden, um sie im Laufe ihres Lebenszyklus an verschiedene Anforderungen anzupassen. Billig abzubrechen ist kontraproduktiv. Neubau sollte die absolute Ausnahme sein und nur zulässig mit low-impact Materialien. Der Einsatz von traditionellen, ökologischen Materialien, wie z.B. Lehm, ist zu favorisieren. Rückbesinnung dient dem Fortschritt. Reuse, Recycling und Ressourcenwende sind der Ausgangspunkt zum Klimaschutz. Baustoffe müssen stärker auf ihre Nachhaltigkeit überprüft, innovative Techniken gefördert und bestehende Normen dahingehend evaluiert werden, inwieweit sie die Nachhaltigkeit unterstützen. Der Gedanke, ausländische und heimische Materialien unterschiedlich zu bepreisen, um lange Transportwege zu verhindern, wäre zu vertiefen.

Die Teilnehmenden kritisierten zudem die Bildungspolitik, die es ihrer Meinung nach versäumt hat, die notwendigen Fachkräfte, die für den Bau von nachhaltigen Gebäuden benötigt werden, auszubilden. Die Kultur des Bauens, der Stand eines Handwerkenden ist negativ behaftet, was dazu führt, dass unqualifizierte Facharbeitskräfte am Bau tätig sind.  


7. DIGITALE PROZESSE/ KIKI Künstliche Intelligenz – Digitalisieren: Digitale Prozesse und künstliche Intelligenz

Panel 7.1: KI und Architektur – Was können Maschinen schon alleine?

Auf dem Panel:
Prof. Dr. Sigrid Brell-Cokcan, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Dr. Martin Memmel, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Baukobox, Prof. Dr. Cordula Kropp, Universität Stuttgart, Hannes Mayer, Gramazio Kohler Research, ETH Zürich

Moderation:
Isabella Göring, Geschäftsführerin Akademie der AKHAKH Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen

Essenz:

  • KI wird Planenden bei kreativen Entscheidungen unterstützen und schafft Freiräume für die gestalterische Arbeit.
  • Architektur ist eine integrative Disziplin, daher soll sie auch im Digitalen eine Systemführerschaft übernehmen.
  • Selbstbewusst die digitale Transformation mitgestalten.

Bericht:
Impuls von Dr. Martin Memmel: Einführung ins Thema Künstliche Intelligenz – was ist KI? Menschliche Intelligenz hat mit wahrnehmen, verstehen, planen und handeln zu tun. Bei der Künstlichen Intelligenz unterscheidet man zwischen starker und schwacher Künstlicher Intelligenz: starke KI ahme menschliches Denken nach und sei deswegen bisher noch Science Fiction, wenn man heute von KI-Umsetzungen spreche, meine man ausschließlich schwache Intelligenz, die Lösungen für sehr spezifische Probleme biete, etwa im autonomen Fahren oder in Navigationssystemen.

Frage: Kommt die KI in Bezug auf die Nachahmung menschlicher Kreativität an ihre Grenzen? Oder kann KI auch kreativ sein, planen und entwerfen? Prof. Dr. Sigrid Brell-Cokcan schlägt vor, KI und Robotik als Design-Decision-Support-Systeme zu begreifen: Software unterstützt die Menschen zwar bei ihren kreativen Prozessen und Entscheidungen, aber ersetzt diese nicht. In diesem Sinne würde sie auch in ihrem Projekt „Robotics in Architecture“ Robotersysteme auf ihren Einsatz in der Kreativindustrie hin untersuchen und entwickeln, etwa wenn Robotik über CAD oder BIMBIM Building Information Modeling in architektonische Projekte eingebunden würden

Für Hannes Mayer findet die Digitalisierung nicht zwangsläufig einen physischen Ausdruck in der Architektur (so wie dies für den Parametrismus zu Beginn der 2000er Jahre vielleicht der Fall war). Die Digitalisierung der Architektur bringe vielmehr neue Werkzeuge mit sich, während die Gebäude physisch bleiben. Robotik verändert jedoch, wie Architekturen in die Welt kommen: Die KI könnte die Übersetzung bestimmter Entwürfe in die Architektur leisten.

Prof. Dr. Cordula Kropp zufolge sind die Einsatzgebiete von KI in der Architektur sehr weitreichend, denn KI kann auch neuartige kollaborative Arbeitsweisen ermöglichen oder so eingesetzt werden, dass Gebäude noch stärker einer sozialen Nutzung entgegenkommen. Allerdings kommt auch keine Technik ohne Standardisierungsprozesse aus, an die sich der Mensch in bestimmtem Maße anpassen muss; daher ist eine angemessene Kompetenzentwicklung notwendig, sodass Architekten als Treiber dieser neuen Technologien auftreten und nicht als Getriebene der Entwicklungen.

Sigrid Brell-Cokcan betont, wie wichtig es ist, zu wissen, warum man KI einsetzen wolle. Denkbar wäre es, mit KI neue Potentiale in der Kreativität zu erschließen oder KI für ein nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen einzusetzen. Cordula Kropp führt den Gedanken weiter, dass die Ziele der Nachhaltigkeit ohne digitale Werkzeuge überhaupt nicht machbar sind. Martin Memmel richtet den Appell an die Architektinnen und Stadtplaner, sich nicht auf KI oder auf Daten zu verlassen, sondern eigenaktiv die digitale Transformation zu gestalten.

Aus der anschließenden Diskussion mit dem Publikum zeichnete sich ein deutliches Fazit heraus, dass durch die Teilnehmenden auf dem Panel stellvertretend formuliert wurde: Architektinnen und Architekten und Stadtplanerinnen und Stadtplaner müssen, gerade weil die Architektur seit jeher eine integrative Disziplin ist, auch weiterhin Systemführerschaft beanspruchen. KI unterstützt dabei, kreative Entscheidungen zu treffen und Freiräume für ihre gestalterische Arbeit zu schaffen. Mit dem Wissen über die digitalen Prozesse und der Expertise in den Methoden sollten Planende mutig und selbstbewusst die Digitalisierung in ihrem Sinne selbst gestalten.

Panel 7.2: Im Jahre 2030 – Wie gestaltet sich die Arbeitswelt?

Auf dem Panel:
Monika Lepel, Lepel & Lepel Architektur Innenarchitektur, Nils Krause, hammeskrause architekten, Dr. Gereon Uerz, Arup Deutschland, Dr. Sascha Peters, Haute Innovation Zukunftsagentur für Material und Technologie

Moderation:
Isabella Göring, Geschäftsführerin Akademie der AKH

Essenz:

  • Die soziale, ökologische und ökonomische Verantwortung der Architektinnen und Architekten darf nicht an die Digitalisierung delegiert werden.
  • Besonders die Klimaziele können nur umgestetzt werden, wenn die Mittel der Digitalisierung genutzt werden.

Bericht:
Impuls von Monika Lepel: Im Architekturbüro der Zukunft wird es weniger Hierarchien, sondern mehr Rollen in verschiedenen Kontexten und entsprechend unterschiedlicher Qualifikationen geben, Teams werden neu gedacht, nämlich selbstorganisierend und mit hohem kommunikativen Anteil (und Büros mit kommunikativeren Räumen). Denkbar ist außerdem, dass es in Zukunft leichter wird, Allianzen zu bilden; es muss stets daran gedacht werden, dass die Verantwortung der Architektin bzw. des Architekten nicht an die Digitalisierung delegiert werden kann. Hier müssen Architektinnen und Architekten als ideenstark und projektgetrieben auftreten, hier ist aber auch die Politik gefragt.

Nils Krause betont, dass man sich immer klar machen müsse, was die digitalen Prozesse an Mehrwert, etwa in Bezug auf Nachhaltigkeit, für ein Projekt bringen. Mit digitalen Werkzeugen und Präsentationsformen kann die Kundschaft zudem relativ früh partizipieren, was sicherlich auch die Beziehung zwischen Auftragnehmenden und Auftraggebenden verändern werde.

Sascha Peters erwähnt neueste digitale Technologien, darunter „smart dust“ (winzige, intelligente und drahtlose Sensornetzwerke), der schnelle und serielle 3D-Druck von Häusern oder Metamaterialien, also künstlich erzeugte Materialien mit Eigenschaften, die es in der Natur nicht gibt (beispielsweise ein Mantel, der unsichtbar macht oder Objekte, die Geräusche aus der Umwelt filtern).

Gereon Uerz betont, dass bei all diesen Diskussionen um Innovationen die Nachhaltigkeit stark gemacht werden müsse. Als Beispiel nennt er: Gebäude, die als Materialbanken genutzt werden – Recycling, um zu bezahlbarem massenhaften Wohnungsbau zu gelangen. Daraufhin kommt aus dem Publikum die wichtige Frage, ob nicht die Digitalisierung selbst mit einem hohen CO2-Abdruck einhergehe – etwa was den Energieverbrauch digitaler Geräte, die Verwendung seltener Erden für ihre Herstellung und die Menge an (Sonder-)Müll angeht.

Sascha Peters antwortet, dass es notwendig sei, technische Kreisläufe nach dem cradle-to-cradle-Prinzip zu schließen oder neuartige smarte und eigenaktive Materialien zu verwenden, die keine externe Energiequelle benötigen (z.B. auf Luftfeuchtigkeit reagierende, sich selbstöffnende Fenster aus Holzfasern). Gereon Uerz ergänzt, dass KI dabei helfen könnte, einem hohen Energieverbrauch (etwa von cloud-Hardware) über intelligente Algorithmen, die verstehen, wie Energie verbraucht wird, entgegenzuwirken.

Die Hauptaufgabe in der zukünftigen digitalen Welt wird darin liegen, sich der Komplexitätsbewältigung (im Team) zu stellen. Ein Ansatz kann etwa sein, sich Zeit zu nehmen und die Dinge zu prüfen. Nicht alle Trends müssen mitgemacht werden.

Fazit: Die soziale, ökologische und ökonomische Verantwortung der Architektenschaft darf nicht an die Digitalisierung delegiert werden. Insbesondere die Klimaziele können nur umgesetzt werden, wenn die Mittel der Digitalisierung genutzt werden.

Panel 7.3: BIM als Standard – Hilfe oder Überforderung?

Auf dem Panel:
Dr. Ilka May, LocLab Consultin, Florian Urban Geddert, plus 4930 Architektur Sierig Geddert Krüge, Ministerialdirigent Ralf Poss, Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Harry Ibbs, Gensler

Moderation:
Isabella Göring, Geschäftsführerin Akademie der AKH

Essenz: Für die Implementierung von BIM in kleinen wie großen Büros fordern Architektinnen und Architekten von der Politik:

  • Eine einheitliche Strategie mit offenen Schnittstellen.
  • BIM-Ausbildungen in den Universitäten.
  • Verbindliche Standards
  • Lösungen für Datenschutz, Datensicherheit und Vertragsangelegenheiten

Bericht:
Impuls von Ilka May: Am Beispiel Großbritanniens ergibt sich die Frage, was die nationale politische Strategie in der BIM-Einführung ausmacht? Dabei wird offensichtlich: Es werden die gleichen Diskussionen wie vor vier Jahren geführt, nur mit mehr Beteiligten. Alle wollen Lösungen generieren, aber keiner fragt mehr, für welche Probleme. Innerhalb der Wertschöpfungskette Bau erfährt vor allem die Lieferkette keine politische Unterstützung.

Ralf Poss erläutert die deutsche Strategie. BMIBMI Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und BMVI haben kürzlich das Nationale BIM-Kompetenzzentrum ins Leben gerufen. Aufgaben sind der Aufbau eines zentralen BIM-Portals, die Durchführung von Beratungen und Schulungen und die Entwicklung einer BIM-Strategie für den Bundesbau.

Florian Urban Geddert erläutert die Perspektive des mit BIM arbeitenden Architekturbüros: Das 3D-Modell sei vor allem ein Tool zum Datenmanagement, das – von der öffentlichen Hand und von der Industrie kommend – allmählich in die Büros einzieht. Möglich sei nun auch, aus der Nutzung eines Gebäudes Daten zu ziehen und für die Planung produktiv zu machen. Bei der BIM-Einführung sei zu beachten, dass BIM nicht die Arbeit der Architektinnen und Architekten einschränke und von politischer Seite openBIM gefördert werden solle.

Harry Ibbs, Digitalisierungsexperte bei Gensler, fügt den Ausführungen von Ilka May hinzu, dass die Digitalisierung auch in Großbritannien zunächst vom öffentlichen Sektor forciert wurde und erst dann der private Sektor hinzukam. In den Büros, in denen er gearbeitet habe, hätte man – auf der Suche nach Lösungen – vor allem auf die Softwarelösungen und Datenplattformen aus anderen Industriezweigen (etwa der Raumfahrt) geblickt. Ilka May ergänzt, dass man auch nicht immer alles neu erfinden brauche. In der Normung etwa gäbe es in der Frage nach Interoperability und verlustfreiem Austausch (ISOISO International Organization for Standardization 16739 IFC) Lösungen aus anderen Bereichen, die man durchaus nutzen könne (ISO 15926 Datenintegration der Öl- und Gasindustrie).

Florian Urban Geddert wünscht sich, dass die Politik stärker an Case Studies und Leuchtturmprojekten arbeitet, an denen sich Architekturbüros orientieren können. Genau dies sei bereits geschehen bzw. werde durch das Nationale Kompetenzzentrum weiter verfolgt, ergänzt Ralf Poss. Das Kompetenzzentrum wolle vor allem eine Motivation zur BIM-Implementierung schaffen und einheitliche Standards und Regelwerke entwickeln. Gerade für die Architektenvergütung (Stichwort HOAIHOAI Honorarordnung für Architekten und Ingenieure 4.0) sei dies besonders wichtig, so Florian Urban Geddert.

Aus dem Publikum meldet sich Dr. Martin Kraushaar (AK Hessen) und ergänzt die Bedeutung des Daten- und Urheberrechtsschutzes angesichts der umfangreichen Digitalisierung von Plänen und Entwürfen im Architekturbüro. Zum Stichwort Datensicherheit betont Ilka May, dass die Datenschutz- und Datensicherheitsprobleme bereits dann beginnen, wenn die Daten in die Lieferkette übergehen. In der Debatte, welche (politischen) Maßnahmen eine erfolgreiche BIM-Einführung brauche, fügt Harry Ibbs hinzu, dass es so gut wie keine Ausbildung in der BIM-Methode an den Hochschulen gibt. Ralf Poss schließt die Runde mit dem Hinweis, dass es zur Digitalisierung der Baubranche auch die Digitalisierung der Verwaltungsstrukturen bzw. der öffentlichen Hand brauche. Auch hier müsse noch einiges getan werden.

Fazit: Für die Implementierung von BIM in kleinen wie großen Büros fordern wir Architektinnen und Architekten von der Politik: Eine einheitliche Strategie, offene Schnittstellen, BIM-Ausbildungen in den Universitäten, verbindliche Standards sowie Lösungen für Datenschutz, Datensicherheit und Vertragsangelegenheiten.


8. DAT-Werkstätten: Fairness und Wirtschaftlichkeit

Werkstatt 8.1: Erfolgreiche Architektinnen­ Startups

In der Werkstatt:
Hille Bekic, Architektin und n-ails Mitbegründerin, Gönül Nar, Businesscoach economista e.V., Angelika Cummerow, Businesscoach economista e.V.

Startup-Ideenwettbewerb:
In der Werkstatt wurden innovative Geschäftsideen entwickelt. Insgesamt nahmen 50 Planerinnen teil, die in sieben Gruppen eingeteilt waren. Ihre Ideen wurden von fiktiven Investorinnen bewertet.

Siegerinnen:
Das Startup „Das Gesicht hinter der Fassade“ dient der Verknüpfung von Architektinnen und Architekten, Baufirmen und der Bauherrenschaft. Außerdem gewann die Idee „Wohnungsswap“, ein lebenslanges Wohnungstauschmodell.

Fazit:
Die enorme Kürze der Zeit entzündete ein Feuerwerk an Geschäftsideen, ermöglicht durch den Enthusiasmus und die effektive Teamarbeit der Planerinnen.

Werkstatt 8.2: Faire Vergabe

In der Werkstatt:
Dr. Matthias Fuchs, EE Concept GmbH, Norbert Portz, Deutscher Städte- und Gemeindebund, Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin BAK, Dr. Thomas Solbach, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Moderation:
Jan Buchholz, Deutsches Vergabenetzwerk

Essenz: Für eine faire Vergabe von Planungsleistungen ist zu beachten:

  • Keine überzogenen Eignungskriterien stellen
  • Vergabe der Planungsleistungen im Leistungswettbewerb und nicht nach Preis
  • Auf Nachhaltigkeit der Planungsentwürfe achten
  • Qualifizierung der an der Vergabe Beteiligten für eine gute Vergabekultur

Forderung: „Macht mehr Planungswettbewerbe!“

  • für den öffentlichen Auftraggebenden, weil es wirtschaftlich ist.
  • für die Öffentlichkeit, weil sie der Erhaltung und Stärkung der Baukultur dienen.
  • für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zum Wohle zukünftiger Generationen.

Bericht:
Die Werkstatt begann mit der Einstiegsfrage, was für die Referierenden „fair“ in Bezug auf die Vergabe bedeutet. Für Barbara Ettinger-Brinckmann bedeutet das, die Eignungskriterien so zu fassen, dass nicht von vornherein Teilnehmende ausgeschlossen werden. Dr. Matthias Fuchs weist darauf hin, dass das Kriterium Nachhaltigkeit in allen Planungswettbewerben enthalten sein solle. Für Dr. Thomas Solbach ist die Vergabe dann fair, wenn die Grundsätze der Wettbewerblichkeit und Chancengleichheit beachtet werden. Norbert Portz betont den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und dessen Beachtung.

Einig sind sich alle Referierenden, dass die Eignungskriterien – wie in der VgVVgV Vergabeverordnung gesetzlich geregelt – auch in der Praxis so zu wählen sind, dass sie in einem angemessenen Verhältnis zum Vergabegegenstand stehen. Ebenso sollten die Planungsaufgaben im Leistungswettbewerb vergeben und generell mehr Wettbewerbe veranstaltet werden.

Barbara Ettinger-Brinckmann betont, dass sich die Architektenschaft klarere und straffere gesetzliche Regelungen dazu gewünscht hätte. Dr. Thomas Solbach stellt heraus, dass die Regelungen in der VgV im Vergleich zur VOFVOF Vergabeordnung für freiberufliche Dienstleistungen verstärkt wurden. Das Problem sei vielmehr darin zu verorten, dass diese Regelungen oft nicht in der Praxis umgesetzt werden und die Vergabegebenden teilweise nicht qualifiziert genug ausgebildet seien. Norbert Portz fügt hinzu, dass im Wettbewerb die Eignung der Bewerbenden erkennbar werde und sie daher nicht vorab mit überzogenen Eignungskriterien abgeprüft werden müsse. Zudem solle die Architektenschaft noch entschiedener bei Verstößen gegen die gesetzlichen Regelungen reagieren und dagegen vorgehen. Barbara Ettinger-Brinckmann weist auf das gerade im Rahmen einer Arbeitsgesellschaft geprüfte Rügerecht der Kammern in diesen Fällen hin.

Einigkeit besteht auch darin, dass mehr Planungswettbewerbe abgehalten werden sollten, weil sie für den öffentlichen Auftraggeber, die Öffentlichkeit und Nachhaltigkeit von Vorteil sind.

Barbara Ettinger-Brinckmann stellt klar, dass echte Wirtschaftlichkeit nur in einem Wettbewerb feststellbar sei. Das Planungshonorar macht nur 3 % der Lebenszykluskosten eines Gebäudes aus, die Planungsleistung hat aber zu 90 % Einfluss auf die Kosten. Der Wettbewerb zwinge zudem den Bauherrn dazu, im Vorfeld über das Bauprojekt nachzudenken. Dadurch werden die Weichen für die Wirtschaftlichkeit gestellt.

Dr. Matthias Fuchs weist darauf hin, dass schon jetzt die in Wettbewerben eingereichten Pläne dem Klimaziel von 2035 entsprechen müssten, da ansonsten die nach diesen Plänen errichteten Gebäude in der Zukunft schon nicht mehr klimaneutral seien, obwohl sie gerade erst wenige Jahre alt sind. Zudem ließen sich mit guten Entwurfsplänen 6-8 % der Baukosten einsparen.

Werkstatt 8.3: Vergütung und Haftung

In der Werkstatt:
Prof. Dr. Heiko Fuchs, Kapellmann und Partner Rechtsanwälte mbH, Stefan Reichert, Ecovis L+C Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Dr. Gerhard Schomburg, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Dr. Thomas Solbach, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Joachim Brenncke, Vizepräsident BAK

Moderation:
Günter Göbel, Institut für Wissen in der Wirtschaft (IWW)

Essenz:

  • Ein Honorar ist das Äquivalent für Zeit.Um Baukultur zu schaffen, braucht man Zeit.
  • Wir fordern, die HOAI unter Anpassungen, die nach dem EuGHEuGH Europäischer Gerichtshof-Urteil nötig sind, zu erhalten.
  • Die Zukunft der HOAI wird auch davon abhängen, dass wir selbstverständlich die Mindestsätze einhaltenund dass wir betriebswirtschaftlich denken und kalkulieren.
  • Bei der gesamtschuldnerischen Haftung ist es wichtig, dass wir den Bauherren rechtzeitig informieren, um sicherzustellen, dass Baukostenveränderungen und andere Änderungen der Planung rechtzeitig bekannt sind.

Bericht:
Die Teilnehmenden besprachen das HOAI-Vertragsverletzungsverfahren und diskutierten, welche Auswirkungen das EuGHUrteil auf die HOAI und auf Honorargestaltungen habe. Thematisiert wurden auch das seit 2018 im BGB enthaltene Bauvertragsrecht sowie Haftungsfragen.

Das HOAI-Vertragsverletzungsverfahren und das weitere Vorgehen:
Dr. Thomas Solbach stellte zunächst den Gang des Vertragsverletzungsverfahren dar. Die Europäische Kommission war der Auffassung, die Mindest- und Höchstsätze der HOAI würden gegen die Niederlassungsfreiheit verstoßen. Es folgten die Klage beim EuGH, die mündliche Verhandlung und die Schlussanträge des Generalanwalts. In seinem Urteil hat der EuGH einige Argumente der Bundesregierung unterstützt und beispielsweise die Baukultur aufgegriffen. Letztlich sahen die EuGH-Richter aber eine Inkohärenz in der deutschen Regelung und stellte fest, dass die HOAIMindest- und Höchstsätze nicht mit dem EU-Recht vereinbar sind.

Für das weitere Vorgehen nach dem EuGH-Urteil bestehe enger Kontakt mit dem BMI, den Kammern, dem AHOAHO Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung e.V., den kommunalen Spitzenverbänden und den Bundesländern. Die gesetzgebende Instanz müsse das EuGH-Urteil in einem angemessenen Zeitrahmen umsetzen. Die unmittelbaren Folgen des EuGHUrteils seien umstritten. Im Vergaberecht könne wegen des Anwendungsvorrangs des EURechts nun ein Angebot nicht mehr abgelehnt werden, weil es die Mindestsätze unterschreitet. Das BMI habe eine Hilfestellung veröffentlicht. Das BMWiBMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Energie möchte, dass die HOAI erhalten bleibt. Zur Umsetzung des EuGH-Urteils müsse die Honorarordnung allerdings angepasst werden. Keinesfalls möchte das BMWi ein zweites Vertragsverletzungsverfahren riskieren. Es bestehe die Option, sich für die Urteilsumsetzung an der Steuerberatervergütungsverordnung zu orientieren. Dann würden die Sätze der HOAI gelten, außer es wurde etwas anderes vereinbart. Es müsse auch das zum Erlass der HOAI ermächtigende Gesetz angepasst werden.

Auswirkungen des EuGH-Urteils auf die Honorargestaltung:
Heiko Fuchs stellte dar, welche Probleme nach dem EuGH-Urteil entstanden sind. So sei fraglich, welche Regelung in der Übergangsphase anwendbar sei und ob private Vertragsparteien verbindliche Mindestsätze vereinbaren könnten. Umstritten sei auch, welche Auswirkungen das EuGH-Urteil auf das Formgebot in § 7 Abs. 5 HOAI habe, was wiederum Folgeprobleme für die Vergabe nach sich ziehe. Derzeit sei der sicherste Weg, das Honorar bei Auftragserteilung schriftlich zu vereinbaren, um nicht auf Mindesthonorarhöhe zurückzufallen.

Joachim Brenncke betonte, dass die Zusammenarbeit mit dem BMWi und dem BMI gut gewesen sei. Nun gelte es, zukunftsfähige Lösungen zu finden. Dass der EuGH den Begriff „Baukultur“ erwähnt habe, sei nach den Schlussanträgen nicht denkbar gewesen. Der Standort Deutschland könne mit Baukultur zukunftsfähig gemacht werden, diese habe ihren Wert. In der Übergangszeit sollte sich die Architektenschaft an die Mindestsätze der HOAI halten.

Stefan Reichert, Joachim Brenncke und Heiko Fuchs diskutierten sodann über die Honorarverhandlungen. Nach Auffassung von Stefan Reichert benötige die Architektenschaft den Schutzmantel des Mindestsatzes nicht. Ihre Leistungen hätten ihren Preis. Joachim Brenncke führte an, dass insbesondere Kommunen mit angespannten Haushalten bei Preisverhandlungen bei dem Honorar der Planenden sparen wollten. Heiko Fuchs ermutigte die Planenden dazu, Honorarverhandlungen zu führen und ihre Kosten zu kennen.

Gerhard Schomburg stellte das seit 2018 im BGB enthaltene Bauvertragsrecht vor. Darin wurden die vertragstypischen Pflichten neu definiert. Es seien spezifische Regelungen zur Teilabnahme und Teilvergütung sowie zur beschränkten gesamtschuldnerischen Haftung bauausführender Unternehmen eingeführt worden. Das neue Recht enthalte aber mindestens einen Redaktionsfehler. Praktische Erfahrungen fehlten bislang. Dr. Heiko Fuchs ergänzte, dass zwischenzeitlich ein erstes Urteil des BGHBGH Bundesgerichtshof vorliege, das § 650 p Abs. 1 BGB behandle.

Auf Nachfrage von Gerhard Schomburg bestätigte das Publikum, dass die Zielfindungsphase sinnvoll sei. Prof. Heiko Fuchs führte aus, dass § 650 p Abs. 2 BGB den positiven Effekt habe, dass sich Bauherren ihrer Wünsche klar würden. Darüber hinaus stellte Heiko Fuchs dar, dass § 650 b BGB keine Anwendung finde. Es bestehe eine Chance für Architektinnen und Architekten. Sofern das BGB auf die HOAI verweist, müsse es geändert werden. Es sei noch fraglich, für wen das neue Architektenvertrag gelte. Die Rechtsprechung werde hierzu jedoch eine Lösung finden. Heiko Fuchs empfahl, die DIN 18205 als Checkliste zu nutzen.

Aus dem Publikum wurde die Frage an Heiko Fuchs gestellt, wie er die gesamtschuldnerische Haftung bewerte und ob er es für denkbar halte, den Architektenvertrag als Dienstleistungsvertrag einzustufen. Heiko Fuchs antwortete, dass Leistung und Gegenleistung voneinander getrennt seien. Man könne dienstvertragliche Pflichten vereinbaren, dies wollten viele Bauherren aber nicht. Stefan Reichert ergänzte, dass auch beim Dienstvertrag ein Bemühen nach lege artis geschuldet sei. Damit bestehe der Effekt wie beim Werkvertrag. Die Einordnung als Werkvertrag sei im neuen Bauvertragsrecht zementiert. In der Literatur werde vertreten, dass nicht das Bewirken, sondern nur das Hinwirken geschuldet sei. Somit könnte man den Erfolg abschichten. Es gebe Punkte, auf die Architektinnen und Architekten keinen Einfluss hätten. Das Honorar sei nur hoch, wenn gute Qualität erbracht werde. Architektinnen und Architekten müssten sich daher ihre Pflichten in haftungsträchtigen Bereichen bewusst machen. Es gebe Praxishilfen. Heiko Fuchs ergänzte, dass Architektinnen und Architekten ihre Hinweispflichten wahrnehmen müssten. Die Problematik der Gesamtschuld habe sich dann teilweise erledigt, da Schadensersatz nicht mehr in Höhe fiktiver Mängelbeseitigungskosten geltend gemacht werden könne. Stefan Reichert vertrat, dass an der Gesamtschuld nichts zu ändern sei.

Günter Göbel führte aus, dass Architektinnen und Architekten ihre Kosten selbst berechnen und ihre Leistung verkaufen müssen. Dies gelte es zu üben. Aus dem Publikum wurde gefordert, dass die Honorartafeln und die Leistungsbilder der HOAI konkretisiert werden.

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